How to be An Ally. Gerade jetzt.
Diversitätsinitiativen geraten weltweit unter Druck, politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. In diesem Klima brauchen Kolleg*innen, die von Diskriminierung betroffen sind, Verbündete.
Allyship bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, eine Entscheidung zu treffen: hinzuschauen, zu unterstützen und die eigene Position zu nutzen, um andere sichtbar zu machen. Jede Person im Medienhaus kann dazu beitragen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle sicher und wertgeschätzt fühlen.
Zuhören und dazulernen
Ally-Sein ist kein Zustand, den man einmal erreicht. Es ist ein Prozess, der Selbstreflexion und Lernbereitschaft braucht. Lass dich korrigieren, lern daraus und mach weiter, auch wenn es unbequem wird. Bewusstsein und Empathie zählen mehr als Perfektion.
Den Mund aufmachen
Schweig nicht, wenn du rassistisches, sexistisches, queer- oder behindertenfeindliches Verhalten beobachtest. Nimm Betroffene ernst, die Diskriminierungen ansprechen, auch wenn Bemerkungen vermeintlich harmlos oder lustig gemeint sind. Ein einfaches „Hey, das ist nicht in Ordnung" kann bereits große Wirkung haben.
Den Rücken freihalten
Lass marginalisierte Kolleg*innen nicht im Stich, wenn es schwierig wird. Stell dich vor sie, wenn rassistische Kampagnen oder Anfeindungen auf sie einprasseln. Allyship zeigt sich besonders dann, wenn es unbequem wird.
Privilegien nutzen
Gib Entscheidungsmacht ab, mach Prozesse transparent und zieh marginalisierte Kolleg*innen aktiv mit hoch. Bring sie ins Gespräch, wenn es um Beförderungen oder die Vergabe von Aufträgen geht.
Stimmen sichtbar machen
Gib marginalisierten Kolleg*innen Raum, ihre Perspektiven zu teilen. Wiederhole ihre Ideen, mach ihre Beiträge sichtbar und sorg dafür, dass sie die Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht. Setz dabei nicht voraus, dass Betroffene über ihre Diskriminierungserfahrungen berichten wollen. Frag nach. Es kann belastend oder traumatisch sein, darüber zu arbeiten.
Als Mentor*in engagieren
Unterstütze Kolleg*innen, die einen anderen Hintergrund haben als du. Lade sie zum Kaffee ein und finde heraus, bei welchen Karrierezielen du helfen kannst. Weise Vorgesetzte auf besondere Leistungen und Stärken hin und nutze dein Netzwerk, um der Person zu neuen Jobs oder Aufträgen zu verhelfen.
Für vielfältige Panels einsetzen
Wenn du zu Konferenzen, Podiumsdiskussionen oder Workshops eingeladen wirst, schau dir die Besetzung genau an. Sind nur wenige oder keine Stimmen aus marginalisierten Gruppen vertreten, sprich die Veranstaltenden direkt darauf an und empfiehl geeignete Kolleginnen und Kollegen. Deine Stimme ist ein Hebel.
Dasselbe gilt nach innen: Lade regelmäßig Redner*innen aus marginalisierten Communities ins Haus. Das bereichert die Redaktionskultur und erweitert das Netzwerk des gesamten Teams.
Wann Allyship misslingt
Allyship scheitert, wenn Verbündete sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Es geht nicht darum, wie du dein Verhalten bewertest, sondern wie Betroffene es erleben. Allys sind Unterstützende, keine Hauptfiguren. Überlass Menschen aus den betroffenen Gruppen die Führung und verstärke ihre Stimmen.
Das waren nur einige Vorschläge. Im Netz gibt es unzählige weitere Tipps, Ideen und Beispiele, wie Du persönlich Diversität fördern und die Redaktionskultur verbessern kannst.
How to Be an Ally in the Newsroom von Emma Carew Grovum (2019)
Becoming an Ally: Breaking the Cycle of Oppression in People von Anne Bishop (2015)
Transformative Leadership for Women’s Rights (2014)