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Newsletter vom 20.08.2026

Hetze macht keine Sommerferien

Hallo,

Eigentlich sollte das eine leichte Sommerausgabe werden: Bücher, Podcasts, Serien. Doch Hetze macht keine Sommerferien.

Sechs Stunden lang sollten Schwarze Kinder und Jugendliche im Berliner „Volksbad” unbeschwert schwimmen können. Rechte Medien machten daraus eine angebliche „Diskriminierung von Weißen“. Es folgten empörte Schlagzeilen, politische Mobilisierung und Drohungen. Am Ende wurde die Veranstaltung abgesagt. Das Resultat: Niemand badet.

Wir zeichnen nach, wie aus einem Safer Space ein bundesweites Feindbild wurde und welche Verantwortung Medien tragen. Und weil die Landtagswahlen im Osten näher rücken, haben wir Bücher, Podcasts und Dokumentationen zusammengestellt, die genauer hinschauen.

In dieser Ausgabe

  • Im Fokus: Das „Volksbad“, mediale Hetze und Schwarze Solidarität
  • Auf dem Radar: Ostdeutschland in Büchern, Podcasts und Dokumentationen

Bis zum nächsten Mal,

Deine Neuen deutschen Medienmacher*innen


Im Fokus: Das Berliner „Volksbad“ und die Verantwortung der Medien


Was ist passiert?

Vor sechs Jahren nach #BlackLivesMatter war Deutschland entschlossen, Rassismus zu begegnen. Heute reicht offenbar schon ein Nachmittag im Freibad, um diesen Anspruch über Bord zu werfen.

Ein Safer Space im Rahmen einer geplanten Schwimmveranstaltung für Schwarze Kinder und Jugendliche im „Volksbad” vor der Berliner Volksbühne wurde nach Drohungen aus Sicherheitsgründen abgesagt. Veranstaltet werden sollte er gemeinsam mit dem Verein Each One Teach One (EOTO).

Ausgangspunkt der Eskalation waren Berichte des rechten Onlineportals „Nius”, das die zeitweise Reservierung des Beckens als Ausschluss weißer Menschen darstellte. Bild, Welt und Apollo News griffen das Thema auf. CDU- und AfD-Politiker*innen sprachen von „Rassentrennung” und „Apartheid”. Die Beiträge verbreiteten sich anschließend bis in rechtsextreme Telegramkanäle. Ein AfD-Politiker rief schließlich „alle Weißen” dazu auf, zum Volksbad zu kommen.

So wurde aus einem zeitlich begrenzten Schutzraum für Schwarze Kinder eine bundesweite rechte Hetzkampagne: Rechte Medien und Portale erzeugten und verstärkten ein rassistisches Feindbild, politische Akteur*innen mobilisierten dagegen und aus der inszenierten Empörung entstand eine konkrete Bedrohungslage. Nachdem EOTO Drohungen erhalten hatte und die Sicherheit der Kinder nicht mehr gewährleistet werden konnte, wurde die Veranstaltung abgesagt. Tagesspiegel (Paywall) zeichnet die Ereignisse genauer nach.


Was dabei untergegangen ist – Vier Fakten


Anti-Schwarzer Rassismus ist in Deutschland weit verbreitet. In der EU-Studie „Being Black in the EU“ berichteten Schwarze Menschen in Deutschland besonders häufig von rassistischer Diskriminierung. EOTO weist darauf hin, dass Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen hierzulande in vielen Lebensbereichen von gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind.


Genau deshalb braucht es Safer Spaces. Die Bildungsreferentin Emilene Wopana Mudimu erklärt bei COSMO: „Safer Spaces sind wichtig, weil Menschen das Recht haben, sich frei und unbeschwert zu bewegen, ohne Angst vor Rassismus, Diskriminierung oder Ausgrenzung haben zu müssen.“


Angebote für bestimmte Gruppen sind in öffentlichen Schwimmbädern Alltag – etwa für Kinder, Seniorinnen oder Nichtschwimmerinnen. § 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) erlaubt ausdrücklich „positive Maßnahmen“, die bestehende Nachteile aufgrund von Merkmalen wie Geschlecht oder ethnischer Herkunft ausgleichen sollen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes nennt „gesonderte Besuchszeiten in Schwimmbädern“ ausdrücklich als zulässiges Mittel.


Eine kontinuierliche Berichterstattung über Anti-Schwarzen Rassismus schafft gesellschaftliches Bewusstsein und kann inszenierter Empörung die Wirkung nehmen, bevor sie Mehrheiten prägt. Wie dringend das ist, beschreibt die Journalistin und Autorin Hadija Haruna-Oelker in der Frankfurter Rundschau: „Geschichte und Gegenwart zeigen, wie Gesellschaften sich an die Abwertung anderer gewöhnen. Wie Menschen sich einreden, die Rechte anderer bedrohten die eigenen. Wie ganze Gruppen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht werden. Wie etwas, das gestern noch als Tabubruch galt, heute als normale Meinung durchgeht.”

Begrifflichkeiten besser einordnen 

In unserem Glossar erklären wir zentrale Begriffe und Phänomene rund um Hass im Netz und Desinformation und zeigen, wie sie miteinander zusammenhängen.

Zum Glossar

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Praxistipps: Codes auf Social Media erkennen

Eine 🥝 ist nicht immer nur eine Kiwi: Hinter harmlos wirkenden Emojis und Zahlenkombinationen in Kommentarspalten können rechtsextreme, rassistische oder queerfeindliche Hasscodes stecken. Für alle, die diese Kommentare erkennen und einordnen wollen, gibt es unsere kostenlose Handreichung: Darin erklären wir über 40 gängige Codes, inklusive Hinweisen und Praxis-Empfehlungen für Umgang in der Community-Moderation.
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Berlin

Digital Democracy Day 2026
5. November 2026, Silent Green Kulturquartier, Berlin
Interaktive Konferenz zur Stärkung der Demokratie im digitalen Raum mit Gästen aus Medien, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung sowie einer Keynote von Kübra Gümüşay. Mehr dazu


Hannover

collecting:dreams Festival 2026: „Coming Out Stronger“
18. bis 20. September 2026, Initiative Hüttenstraße, Hannover
Deutschlands erstes postmigrantisches, queeres Literaturfestival mit Lesungen, Podiumsgesprächen und Poetry-Slams. Mehr dazu


Online

Digitale Mittagspause: „Wetterfest durch den Shitstorm“
3. September 2026, kostenlos für NdM-Mitglieder
Judith Höllmann und David Fischer vom BetterPost-Team der Neuen deutschen Medienmacher*innen geben einen interaktiven Kurzworkshop für Journalist*innen, Social-Media-Redakteur*innen und Community-Manager*innen. Mehr dazu
 


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