Hallo,
Deutschland liebt Vielfalt. Solange sie Tore schießt.
Nach dem 7:1 gegen Curaçao wird die Nationalmannschaft wieder gefeiert als Symbol eines modernen, vielfältigen Landes. “Unsere Jungs” sind Spieler mit unterschiedlichsten familiären Wurzeln, tragen das Trikot, gewinnen Spiele und machen Deutschland stolz.
Zur gleichen Zeit steht COSMO vor dem Aus.
Falls Du den Sender nicht kennst: COSMO ist das einzige mehrsprachige Radioprogramm der ARD. Ein medialer Raum, der Deutschland so zeigt, wie es ist: vielfältig, mehrsprachig, voller Menschen, die zwischen kulturellen Codes switchen.
Mehr als 500 migrantische Organisationen haben deshalb gemeinsam mit uns einen offenen Brief unterschrieben. Denn Vielfalt darf nicht nur dann sichtbar sein, wenn sie Medaillen gewinnt oder Tore schießt. Sie braucht auch Medien, die sie ernst nehmen.
In dieser Ausgabe sprechen wir mit Elena Kountidou darüber, wie diese Allianz entstanden ist, was jetzt auf dem Spiel steht und warum die kommenden Monate entscheidend werden.
In dieser Ausgabe
- Nachgefragt: Hinter den Kulissen des COSMO-Bündnisses: Elena Kountidou erzählt, was 500 Organisationen fordern
- Auf dem Radar: Rassismus in Redaktionen, preisgekrönte Medientipps und Talk über die wehrhafte Zivilgesellschaft
- Mehr davon, danke: Eine ZDF-Doku über Aids im geteilten Deutschland
Bis zum nächsten Mal,
Deine Neuen deutschen Medienmacher*innen
Nachgefragt: Elena Kountidou
Einschalten gegen das Abschalten: Über 500 Organisationen unterschreiben keinen offenen Brief, nur weil jemand eine E-Mail verschickt. Unsere Geschäftsführerin gibt einen Einblick hinter die Kullissen des offenen Briefs an die ARD-Intendanzen zum Aus von COSMO.
Das gesamte Interview findest Du hier.
Auf dem Radar
Studie: 90 Prozent der befragten Journalist*innen of Color haben im Berufsalltag Rassismus erlebt. Warum viele trotzdem bleiben und manche die Branche verlassen, zeigt eine Recherche vom Kitt Kollektiv. Mehr dazu (Paywall)
Panel: Pressefreiheit ist auch eine Klassenfrage. Warum Bedrohungen, Klagen und Gewalt besonders freie Journalist*innen treffen, diskutiert NdM-Geschäftsführerin Elena Kountidou auf der re:publica 2026. Mehr dazu
Medientipps: Welche Beiträge haben uns beim diesjährigen CIVIS Medienpreis besonders überzeugt? Unsere Favorit*innen findest Du hier.
Buch: Demokratie fällt nicht vom Himmel. Arne Semsrott zeigt, wie Zivilgesellschaft politische Gegenmacht organisieren kann. Mehr dazu
Interview: Wie werden Migrant*innen, Menschen mit Behinderung und junge Menschen in der Klimaberichterstattung sichtbar? NdM-Vorständin Natalie Sablowski erklärt, wo Medien noch Nachholbedarf haben. Mehr dazu
Mehr davon, danke
Das Thema: AIDS im geteilten Deutschland
Die dreiteilige Doku-Serie „AIDS in Zeiten der Liebe“ von aspekte erzählt die Geschichte von Heiko Zolchow und Dirk Nawrocki, einem Künstlerpaar aus Ost-Berlin. Als sich in den 1980er Jahren AIDS ausbreitete, reagierten die beiden deutschen Staaten sehr unterschiedlich: Im Westen wurden homosexuelle Männer oft stigmatisiert, in der DDR wurde die Krankheit lange verschwiegen. Nach ihrer Ausreise in den Westen erhielten beide die Diagnose und starben wenige Jahre später an den Folgen von AIDS. Mit privaten Fotos und Erinnerungen von Freund*innen zeichnet die Serie ein bewegendes Porträt über Liebe, Kunst und das Leben im geteilten Deutschland.
Warum das wichtig ist?
Zum Pride Month erzählt die Serie eine Geschichte, die lange kaum Platz in der deutschen Erinnerungskultur hatte. Sie zeigt, wie queere Menschen in Ost und West mit AIDS, Stigmatisierung und staatlichem Versagen konfrontiert waren und macht sichtbar, wessen Geschichten oft vergessen werden.
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