Kommentar stehen lassen, beantworten oder löschen?
Im Community Management müssen solche Entscheidungen oft innerhalb weniger Sekunden getroffen werden und nicht jeder Fall ist eindeutig. Beim zweiten Treffen unserer Fachgruppe ging es deshalb um gemeinsame Leitlinien, konkrete Beispiele aus dem Redaktionsalltag und unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten.
Am 21. Juli kamen Community Manager*innen, Journalist*innen und Akteur*innen aus Redaktionen, Zivilgesellschaft, politischer Bildung und Öffentlichkeitsarbeit online zusammen. Die Fachgruppe entstand im Rahmen von toneshift und wird von unserem BetterPost-Projektteam organisiert und moderiert. Beim zweiten Treffen wurde vor allem eines deutlich: Der Bedarf an Austausch über schwierige Moderationsentscheidungen ist groß.
Ein Kodex für bessere Moderation und mehr Schutz
Vivian Pein, Community-Management-Expertin und Mitinitiatorin des Community Kodex, stellte die acht Leitprinzipien für verantwortungsvolles Community Management vor. Der Kodex ist eine freiwillige Selbstverpflichtung für Organisationen und zeigt, wie gute Moderation aussehen kann.
Dabei geht es nicht nur darum, regelwidrige Kommentare zu entfernen: Menschenwürde und Schutz vor Diskriminierung sollen die Grundlage der Moderation bilden. Kommentarspalten müssen aktiv gestaltet, menschenfeindliche Kommentare und Codes konsequent sanktioniert und die Wirkung dessen berücksichtigt werden, was unwidersprochen stehen bleibt.
Gleichzeitig richtet sich der Kodex an die Organisationen hinter dem Community Management: Wer andere schützen soll, braucht selbst geeignete Rahmenbedingungen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, ausreichende Ressourcen, feste Meldeketten, Rückhalt bei Moderationsentscheidungen und ein bewusster Umgang mit psychischer Belastung.
Nicht jede Entscheidung ist eindeutig
Katja Musafiri, Vize-Leitung Social Media und Community bei der taz, brachte die Perspektive aus dem Redaktionsalltag ein. An konkreten Beispiel-Kommentaren diskutierten die Teilnehmenden, wann ein Beitrag stehen bleiben, eingeschränkt, beantwortet oder gelöscht werden sollte.
Eine zentrale Frage dabei: Verstößt ein Kommentar gegen Gesetze oder die Netiquette oder gefällt uns lediglich die darin vertretene Meinung nicht? Gerade bei Ironie, Sarkasmus, Dogwhistles und vermeintlich harmlosen Fragen reichen starre Regeln und automatisierte Moderationstools oft nicht aus. Kontext, Wirkung und die Leitlinien der jeweiligen Redaktion müssen immer mitgedacht werden.
Die Diskussion zeigte: Im Community Management gibt es nicht für jede Situation den einen richtigen Weg. Unterschiedliche Einschätzungen können nachvollziehbar sein, solange Entscheidungen transparent, konsequent und an klaren Grundsätzen orientiert sind. Wichtig sind außerdem Austausch im Team, eine zweite Perspektive bei schwierigen Fällen und die Möglichkeit, Entscheidungen zu korrigieren.
Praktische Tipps für die Community-Arbeit
Nicht jeder Hasskommentar braucht dieselbe Antwort und nicht jede Gegenrede ist sinnvoll. Auf unserer Wissensseite haben wir zehn praktische Tipps für die Community-Arbeit zusammengestellt. Sie helfen dabei, Kommentare einzuordnen, konstruktive Stimmen zu stärken, klare Grenzen zu setzen und die eigene Energie gezielt einzusetzen. Außerdem zeigen wir, wann sich Gegenrede lohnt und wie Redaktionen mit Falschinformationen, Whataboutism oder extremistischen Inhalten umgehen können.
Wie es weitergeht
Das nächste Treffen findet am 7. Oktober 2026 im Rahmen der ToneShift-Fachgruppenkonferenz #RECLAIMTHEDIGITAL in Berlin statt. Gemeinsam mit den Kolleg*innen der Meldestelle REspect! beschäftigen wir uns mit rechtlichen Fragen sowie der Meldung und Aufarbeitung von Hass im Netz.
Praxistipps: Codes auf Social Media erkennen
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