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Definition, Zahlen & Fakten

Hass im Netz ist kein Randphänomen, er verdrängt Stimmen, schüchtert ein und vergiftet den öffentlichen Diskurs. Aber was ist damit gemeint? Wo beginnt Hassrede, wo digitale Gewalt? Wer die Begriffe kennt, versteht die Strategien dahinter und kann wirksamer dagegen vorgehen. Eine Einordnung.

  • Was ist Hass im Netz?
  • Strategien des Hasses
  • Haltung gegen Hass
  • Unsere Studie

Was ist Hass im Netz?

Hass im Netz begegnet uns in Kommentarspalten, privaten Nachrichten oder Memes und kann ganz verschiedene Formen annehmen. Bevor wir Hass im Netz untersuchen und wirksam bekämpfen können, muss daher klar sein, was genau damit gemeint ist. Denn je nachdem, wie eng oder weit Hass im Netz verstanden wird, entsteht auch in Studien und Statistiken ein unterschiedliches Bild. 

Es gibt verschiedene Ansätze, Hass im Netz zu bestimmen und von ähnlichen Phänomenen abzugrenzen.Die folgenden Erklärungen helfen dabei, die Begrifflichkeiten besser einzuordnen. Sie orientieren sich an den Begriffsklärungen von toneshift – Netzwerk gegen Hass im Netz und Desinformation:

  • Hass im Netz bezeichnet eine Vielzahl unterschiedlicher u. a. abwertender, entwürdigender, auf Einschüchterung zielender oder verhetzender Online-Phänomene gegenüber Personen oder bestimmten Personengruppen. Gemeint sind damit sowohl entsprechende Inhalte als auch Handlungen.
  • Betroffen sind häufig Menschen, die aufgrund zugeschriebener oder tatsächlicher Merkmale von Diskriminierung betroffen sind. Dazu gehören z. B. Ableismus, Antisemitismus, Klassismus, LGBTIQA+-Feindlichkeit, Rassismus oder Sexismus.
  • Hass im Netz ist kein juristisch definierter Begriff. Das bedeutet auch, dass man ihn in dieser Form nicht in Gesetzen findet. Er kann aber in vielen Fällen straf- und/oder zivilrechtliche Konsequenzen haben.
  • Anders als der Begriff Hassrede bezieht sich Hass im Netz nicht nur auf sprachliche Äußerungen und Bilder, sondern beinhaltet z. B. auch das Stalken in sozialen Netzwerken oder anhand von Überwachungssoftware oder das Veröffentlichen von persönlichen Daten wie Name und Wohnadresse (Doxing).
  • Eng verbunden ist das Phänomen zudem mit der Verbreitung von Desinformation.
  • Hassrede (engl. Hate Speech) bezeichnet sprachliche Handlungen oder Handlungen in Bildform (z. B. Memes) gegen Einzelpersonen und/oder Gruppen mit dem Ziel der Verletzung, Abwertung, der Einschüchterung oder Bedrohung aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer marginalisierten Gruppe in der Gesellschaft oder auch immer häufiger aufgrund ihres politischen Engagements für demokratische Werte.
  • Digitale Gewalt ist der Einsatz digitaler, virtueller oder online-kommunikativer Mittel, um einer anderen Person gegen ihren Willen Schaden zuzufügen, sie dem eigenen Willen zu unterwerfen oder der solchermaßen ausgeübten Gewalt durch Gegen-Gewalt zu begegnen. Analoge und digitale Gewaltphänomene sind eng miteinander verschränkt und bedingen einander.

Strategien des Hasses

Menschenverachtende Ideologien arbeiten häufig mit einem einfachen „Gut gegen Böse“-Narrativ und emotionalisieren Debatten gezielt. Dazu kommen Strategien wie das Kapern von Hashtags, die Verbreitung von Desinformation oder die Verbreitung von manipulativen Bildern und Videos. Auch algorithmische Verstärkung z.B. durch Bezug auf virale Trends spielt eine Rolle.

Hater*innen und extremistische Gruppen nutzen Hass im Netz gezielt, um Menschen aus öffentlichen Debatten zu verdrängen und nehmen ihnen so faktisch ihre Stimme (Silencing-Effekt). Deshalb ist es wichtig, gegen Hass im Netz vorzugehen, um Meinungsfreiheit zu ermöglichen. 

Es müssen jene gestärkt werden, die respektvoll diskutieren wollen – ohne Beleidigungen oder Abwertung.


Hass ist keine Meinung!

Beiträge, die strafrechtlich relevant sind, fallen nicht unter die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit kann eingeschränkt werden, wenn sie die Rechte anderer verletzt. Im Internet gilt außerdem das digitale Hausrecht: Wer ein Profil betreibt, kann selbst entscheiden, welche Kommentare stehen bleiben oder gelöscht werden sollen. Niemand hat einen Anspruch darauf, seine Inhalte überall im Netz veröffentlichen zu dürfen.

Es ist wichtig, Extremismus klare Grenzen zu setzen. Der Umgang mit extremistischen Inhalten sollte Teil der Netiquette sein. Das erhöht nicht nur die Transparenz, sondern zeigt auch, dass Menschenfeindlichkeit und Rassismus nicht geduldet werden


Haltung gegen Hass

Hass im Netz braucht Widerspruch, aber keinen Schlagabtausch um jeden Preis. Zeige Solidarität mit Betroffenen und setze klare Grenzen bei abwertenden Kommentaren, ohne Dich provozieren zu lassen. Bleib sachlich, nimm Dir Zeit für Deine Antworten und setze Deine Energie bewusst ein. Denn nicht jede Diskussion ist es wert. Stärke stattdessen konstruktive Stimmen und melde strafbare Inhalte konsequent bei Plattformen, Meldestellen oder der Polizei. Vernetze Dich mit anderen, unterstützt Euch gegenseitig und hol Dir Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird. 

Lauter Hass – leiser Rückzug

Hass im Netz bedroht den demokratischen Diskurs. Das zeigen die Ergebnisse unserer repräsentativen Befragung als Teil des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz.
Zur Studie
Das Foto zeigt die Broschüre der Studie Lauter Hass – leiser Rückzug auf einem Tisch. Darunter liegen mehrere andere Broschüren © Stefanie Loos

Unsere Studie

Hass im Netz kann alle treffen – aber nicht alle gleich.

Besonders betroffen sind Menschen mit sichtbarer Einwanderungsgeschichte, junge Frauen und queere Menschen. Die Folgen sind gravierend: Viele ziehen sich aus Online-Debatten zurück. Das zeigt die repräsentative Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug: Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht“ (2024). Befragt wurden dafür mehr als 3.000 Internetnutzer*innen in Deutschland ab 16 Jahren. Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

Hass im Netz kann alle treffen:

  • Fast jede zweite Person (49 %) wurde schon einmal online beleidigt.
  • Einem Viertel (25 %) der Befragten wurde körperliche Gewalt angedroht.
  • 13 % der Befragten wurden mit sexualisierter Gewalt konfrontiert.

Besonders häufig betroffen sind:

  • Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund (30 %)
  • junge Frauen (30 %)
  • Menschen mit homosexueller (28 %) oder bisexueller (36 %) Orientierung

Mehr als die Hälfte der Befragten:

  • bekennt sich aus Angst im Netz seltener zur eigenen politischen Meinung (57 %)
  • beteiligt sich seltener an Diskussionen (55 %)
  • formuliert Beiträge bewusst vorsichtiger (53 %)

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