Hallo zusammen,
Beleidigungen, Drohungen, Diffamierungen gegen Journalist*innen ist Alltag. Die Folgen sind messbar: Manche meiden Themen, andere schwächen ihre Formulierungen ab. Trotzdem fehlt es in vielen Redaktionen an klaren Schutzstrukturen. Gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen, dju in ver.di und VBRG haben wir einen Schutzkodex entwickelt. Die Forderung ist einfach: Medienhäuser sollen ihn unterzeichnen und ihre Mitarbeitenden schützen. Wenn Du nicht in einem Medienhaus arbeitest: Teile unsere Beiträge auf Instagram und LinkedIn. Das hilft genau so.
In dieser Ausgabe:
- NdM-Mediencheck: Welche Medien haben (weniger) gut zum Beispiel über Ramadan oder sexualisierte Gewalt berichtet? Wir haben uns das mal näher angeschaut.
- Medien- und netzpolitische Empfehlungen, zum Beispiel: Wie sehr versteht sich Deutschland als Einwanderungsland?
- Nur für Mitglieder: Veranstaltungstipps zum Thema Erinnerungskultur, Tech-Faschismus und LGBTQ-Aktivismus in der DDR sowie viele Ausschreibungen und Jobs deutschlandweit (mit einem leichten Fokus auf Lokaljournalismus) Noch kein Mitglied? Jetzt nachholen
Deine Neuen deutschen Medienmacher*innen
„Ein Shitstorm, die Angst gedoxxed zu werden. Damit Journalist*innen frei arbeiten können, braucht es klare Richtlinien und in allen Medienhäusern einen verbindlichen Schutzkodex.“
— Hadija Haruna-Oelker, zu unserer Schutzkodex-Kampagne auf Social Media
Was gibt's Neues?
Wir brauchen Deine Hilfe
Um auf der Spendenplattform Betterplace.org sichtbar zu werden und eine Spendenkampagne zu starten, müssen wir einen ersten Meilenstein erreichen: 250 Euro. Erst dann können wir wirklich durchstarten. Schon ein kleiner Beitrag zählt, nicht nur finanziell, sondern als Signal. Jetzt spenden
Unsere neue Wissensplattform
Wir bündeln unser Wissen zu präziser Sprache, Schutz vor Bedrohungen und Umgang mit Desinformation in einer neuen Plattform. Wir bauen das stetig weiter aus, also vorbeischauen lohnt sich mehrmals. Mehr dazu
Wie Medien über sexualisierte Gewalt berichten
Wir zeigen am Fall Fernandes/Ulmen, wo Berichterstattung kippt: wenn Gewalt verharmlost, Täter-Narrative reproduziert oder Kommentarspalten sich selbst überlassen werden. Zu unserem Beitrag auf LinkedIn
Rückblick: Ramadan-Berichterstattung 2026
Wir ziehen Bilanz: Einige Redaktionen haben gezeigt, wie differenzierte Berichterstattung über Ramadan aussehen kann, nah an der Community und jenseits von Problemframes. Gleichzeitig finden wir: es gibt Luft nach oben. Mehr dazu
Unsere nächsten Veranstaltungen
Fachtag „Zwischen den Zeilen – Antimuslimischer Rassismus im Journalismus“
28. April 2026, 9:30–17:00 Uhr, Frankfurt am Main (Massif Central)
Fachtag zu antimuslimischem Rassismus im Journalismus mit u. a. einem Workshop von unserem Projekt „BetterPost“ zu verantwortungsvoller Berichterstattung auf Social Media. Kostenlos. Zur Anmeldung
Breakfast: Allianzen gegen Desinformation
18. Mai 2026, 8:00–10:00 Uhr, Berlin (Café Zimt & Zucker)
Zusammen mit modusIzad und Media Lab Bayern veranstalten wir ein Frühstücks-Event vor der re:publica mit Impulsen und konkreten Hacks zum Umgang mit Desinformation. Fokus auf Austausch und Vernetzung zwischen Medien, Forschung und Zivilgesellschaft. Zur Anmeldung
Auf dem Radar
Einwanderungsland Deutschland Armin Lehmann bekam 1990 sein Volontariat. Armin Faraoğlu mit türkischen Wurzeln hätte es wohl nicht bekommen. Ein persönlicher Text über Migration, Medien und das, was sich ändern muss. Mehr dazu
Wie viel kostet eine Kriegsreportage? Kriegsreporter*innen riskieren ihr Leben für Reportage, die 30 Euro bringen. Wenn sie entführt werden, stehen sie allein da. Journalist Emran Feroz erzählt. Mehr dazu
“NIUS und BILD manipuliert”
Laut BILD hätten zwei Geflüchtete aus Afghanistan den Flieger verpasst, weil sie am Flughafen shoppen waren. NIUS verbreitete die Nachricht. Doch: Die Geschichte war komplett erfunden, sagt Journalist Mats Schönauer. Mehr dazu
“Wie finanziert ihr das?” Die Hamburg Media School untersucht, wie Journalist*innen in Deutschland größere Recherchen finanzieren und ob Bedarf an neuen Finanzierungsmodellen besteht. Ziel ist eine Plattform. Hier an der anonymen Umfrage teilnehmen
Vergünstigte Freischreiber-Webinare Eine Mitgliedschaft bei den NdM lohnt sich aus vielen Gründen. Denn eine Kooperation mit dem Berufsverband Freischreiber ermöglicht NdM-Mitgliedern eine vergünstigte Teilnahme an Webinaren des Verbands. Dazu gehören unter anderem das Webinar “Starterpaket Freier Journalismus“ am 27. April sowie der “Crashkurs Mehrfachverwertung” am 12. Mai. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung gibt es auf der Website von Freischreiber.
Mehr davon, danke
Das Thema: Die Sicherheit von Frauen
SZ auf Instagram
Seit der SPIEGEL-Recherche zu den Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen läuft eine breitere Debatte über digitale und sexualisierte Gewalt, über Schutzlücken und darüber, wie tief solche Erfahrungen im Alltag von Frauen verankert sind. Die Süddeutsche Zeitung richtet den Blick dorthin, wo er in solchen Debatten oft fehlt: auf Männer. Die Kolleg*innen haben verschiedene Expert*innen gefragt, darunter auch Jans Wunderlich: Was können Männer konkret beitragen? Wunderlich koordiniert bei „Stop – Stadtteile ohne Gewalt“ präventive feministische Männerarbeit in Wien. Herausgekommen sind einfache, konkrete Vorschläge. Einer davon: Abstand halten, besonders nachts.
Warum das wichtig ist?
Der Beitrag verschiebt die Verantwortung ein Stück weit weg von Frauen, die sonst lernen sollen, wie sie sich schützen, hin zu Männern, die ihr Verhalten reflektieren sollen. Medienkritisch interessant wird es an der Grenze dieses Formats. Solche Beiträge sind leicht konsumierbar, gut teilbar, aber auch konfliktarm. Sie übersetzen ein strukturelles Problem in individuelle Handlungsanweisungen. Das kann ein Einstieg sein. Es kann aber auch dazu führen, dass Gewalt als Frage von „richtigem Verhalten“ verharmlost wird. Warum also trotzdem „mehr davon“? Weil diese Perspektivverschiebung noch lange nicht Standard ist. Und weil Allyship nicht abstrakt entsteht, sondern über genau solche konkreten, manchmal unangenehm simplen Fragen: Was mache ich eigentlich selbst im Alltag?
Zum Beitrag auf Instagram
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