Über 500 Organisationen unterschreiben keinen offenen Brief, nur weil jemand eine E-Mail verschickt. Als migrantische Organisationen aus ganz Deutschland bei den Neuen deutschen Medienmacher*innen anriefen und fragten: „Was können wir tun?“, entstand daraus eine Allianz, die inzwischen bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Wir haben mit unserer Geschäftsführerin Elena Kountidou darüber gesprochen, wie dieser Schulterschluss entstanden ist und warum COSMO wichtig für unsere Gesellschaft ist.
Wie kam es eigentlich zu diesem offenen Brief? Hand aufs Herz: Hast Du mit dieser Resonanz gerechnet?
Elena: Uns haben unzählige Mails und Anrufe von migrantischen Organisationen erreicht. Alle haben gefragt: „Was können wir tun? An wen können wir uns wenden?“ Aus dieser kollektiven Energie ist der offene Brief entstanden, den am Ende über 500 Organisationen unterschrieben haben. Ganz ehrlich, mit so einer Wucht haben wir nicht gerechnet, aber sie zeigt genau eins: In Zeiten von gesellschaftlichen Umbrüchen braucht es eine inklusive und widerstandsfähige Gesellschaft, die ihre Stimme erhebt. Und diese Allianz haben wir jetzt geschaffen!
Was sind denn Eure Hauptforderungen? Es geht ja um mehr als nur den Erhalt des Status quo, oder?
Elena: Absolut. Wenn nach der Reform der ARD von 53 Radioprogrammen für das einzige interkulturelle, mehrsprachige Programm kein Platz mehr sein soll, dann läuft etwas schief. Unsere Forderung ist deshalb klar: Macht COSMO nicht platt, sondern macht es endlich zu einer starken, bundesweiten ARD-Marke! So ein einzigartiges Programm darf nicht einfach in konventionellen Wellen untergehen. Gleichzeitig stellen wir der ARD grundlegende Fragen: Wie wollt Ihr die migrantische Bevölkerung in Zukunft messbar und nachhaltig erreichen? Wo sind wir in Eurer Gesamtstrategie strukturell verankert? Auf diese Antworten warten wir noch.
Wie geht es weiter?
Elena: Der ARD-Vorsitzende Florian Hager hat uns geschrieben. Er betont, dass „Klischees und Silos nicht zeitgemäß“ seien und Diversität „raus aus der Nische und in die Breite“ müsse; die Repräsentation migrantischer Themen versteht er als Querschnittsaufgabe für alle Programme. Diese Argumentation taugt meines Erachtens jedoch nicht als Vorwand, um ein unverzichtbares Programmangebot wie COSMO abzuwickeln. Des Weiteren lässt Hager wissen, dass in der ARD derzeit an einer Gesamtportfoliosteuerung gearbeitet wird, in der das Thema Vielfalt eine wichtige Rolle einnehmen soll. Erste Ergebnisse sollen bis zum Herbst vorliegen, zu dem er uns auch zu einem Gespräch eingeladen hat.
Seitens der WDR-Programmdirektion reagierten Frau Schafarczyk und Frau Schlei mit einer Einladung an die Unterzeichnenden des offenen Briefes zu einem strukturierten Fachdialog. Eine konkrete Reaktion auf unsere Forderung, COSMO auszubauen, blieb dabei allerdings aus.
Gleichzeitig schauen wir ganz genau auf den rbb und Radio Bremen, die COSMO bisher mitverantwortet haben, denn ihre finalen Entscheidungen stehen noch aus.
Eines ist klar: Wir bleiben dran und laut, denn wir sind als Bündnis überzeugt: Es braucht COSMO in der deutschen Medienlandschaft!
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