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Desinformationen über Migration

Desinformationen über Migration sind weit verbreitet. Wer dagegenhält, muss sie kennen, benennen und widerlegen können. In zehn kurzen Explainern zeigen wir, wie diese Narrative funktionieren und was sich dem gegenüberstellen lässt.

Desinformationen, die unsere Einwanderungsgesellschaft bedrohen 

Desinformationen sind ein zunehmendes Problem für unsere pluralistische Demokratie. In Deutschland drehen sie sich besonders häufig um das Thema Migration1. Das Ziel: Menschen verunsichern, die Gesellschaft spalten und Feindbilder kreieren.

Die rechtsextremen Anschläge in Halle und Hanau zeigen, wozu digitaler Hass und Falschinformationen führen können. Die Täter haben sich im Internet radikalisiert.2 Rassistische Weltbilder und Verschwörungsmythen finden sich nicht „nur“ in rechtsextremen Kreisen. Schleichend setzen sich einzelne Falschinformationen zu migrationsfeindlichen Narrativen zusammen.

Was sind migrationsfeindliche Narrative? 

Unter migrationsfeindlichen Narrativen verstehen wir Erzählungen über Migration und Migrant*innen, die (im Internet) weitverbreitet sind und auf Falschinformationen basieren. Oft entstehen sie durch das Hervorheben oder Weglassen von Einzelheiten einzelner Ereignisse. In der Regel bestätigen und/oder beinhalten migrationsfeindliche Narrative ein Weltbild, das geprägt ist von Rassismus sowie Demokratie- und Medienfeindlichkeit. Wir haben zehn besonders weitverbreitete Narrative erfasst und überprüft.

Was hat das mit Journalismus zu tun? 

Journalist*innen, die sich vor Desinformationen schützen oder gegen sie angehen möchten, sollten sie erkennen, als solche benennen und faktenbasiert widerlegen können. Nur durch Differenzierung, Fakten und Sensibilität für Falschinformationen kann sich Journalismus von gefühlten Internet-Wahrheiten unterscheiden. Weil es im Journalismus schnell gehen muss, fehlt es oft an Hintergrundwissen und Kontext zu migrationsfeindlichen Narrativen. Deswegen haben die Neuen deutschen Medienmacher*innen sich diese Erzählungen genauer angesehen.

In 10 kurzen Explainern erklären wir, wie in dem Anti-Migrations-Narrativ argumentiert wird und was sich dem gegenüberstellen lässt. Wir gliedern sie hier in die Feindbilder, die im Fokus stehen:

  • Migrant*innen
  • Medien
  • Regierungsparteien.

Migrationsfeindliche Narrative greifen häufig auf wiederkehrende Formulierungen zurück, sogenannte Keywords. Begegnet man solchen Formulierungen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ein Falschinformationsnarrativ handelt. Deshalb haben wir zu jedem Explainer auch dazugehörige Keywords aufgeführt.

In der Praxis ist die Abgrenzung zwischen Fehl- und Desinformation manchmal schwer zu treffen, da die Absichten der Urheber*innen und Verbreiter*innen nicht immer erkennbar sind. Deswegen nutzen wir im Rahmen der Explainer, die auf unserer Erhebung basieren, den Begriff Falschinformation. 

Zu unserer Erhebung

Die von uns herausgearbeiteten Narrative basieren auf einer umfassenden Analyse von Falschinformationsnarrativen auf TikTok, Instagram und Telegram im Zeitraum von Juni 2023 bis einschließlich März 2024.

Für die Analyse wurden insgesamt 71 Accounts beobachtet. Die durchschnittliche Reichweite der Accounts betrug ca. 32.000 Follower*innen auf TikTok und Instagram und 60.000 Abonnent*innen auf Telegram. In einem ersten Schritt wurden Accounts erfasst, die bereits durch die Verbreitung von Falschinformationen aufgefallen sind.

Parallel dazu wurden gezielte Recherchen durchgeführt, indem nach spezifischen und weitverbreiteten Keywords und Hashtags gesucht wurde. Dadurch konnten weitere Kanäle identifiziert werden, die falsche Informationen verbreiteten. In die Analyse flossen insgesamt 73 Beiträge ein. Die Auswahl der Social-Media-Beiträge für die Analyse erfolgte anhand ihrer Views, Likes, Kommentare und Reshares. Die durchschnittliche Reichweite der analysierten Beiträge betrug etwa 49.000 Views.

Diese Auswahlkriterien ermöglichten es uns, einen Einblick in die Verbreitung von Falschinformationen in diesen drei sozialen Medien zu gewinnen.

Jedes der hier aufgeführten Narrative wird durch verschiedene Falschinformationen zusammengesetzt, die zu einem verzerrten Gesamtbild führen. Ein Narrativ bezeichnet eine sinnstiftende Erzählung. Es setzt bspw. Ereignisse durch Hervorhebung und Weglassen von Einzelheiten in einen scheinbar logischen Kontext. Narrative sind aufgeladen mit Werten und Emotionen. Damit sind sie normativ und können eine motivierende Wirkung haben. Unter migrationsfeindlichen Narrativen verstehen wir Erzählungen über Migration und Migrant*innen, die (im Internet) weitverbreitet sind und auf Falschinformationen basieren. In der Regel bestätigen und/oder beinhalten migrationsfeindliche Narrative ein Weltbild, das geprägt ist von Rassismus sowie Demokratie- und Medienfeindlichkeit.

Um die Narrative aus den Falschinformationen herauszuarbeiten, orientierte sich die Analyse an den Frame- Elementen nach Entman.3 Entlang dieser Elemente konnten in den untersuchten Beiträgen übergeordnete Narrative festgestellt werden. In unserer Analyse haben wir zudem festgehalten, welche Begriffe und Formulierungen im Zusammenhang mit den Narrativen häufiger vorkommen oder besonders auffällige Wortneuschöpfungen/Wortzusammensetzungen darstellen. Diese bezeichnen wir als Keywords. Begegnet man einem solchen Keyword, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ein Falschinformationsnarrativ handelt.

Die hier aufgeführten Narrative wurden im April 2024 in der Pubilkation „Feindbild Migration- Falschinformationen, die unsere Einwanderungsgesellschaft bedrohen.” in Rahmen des Projekts No Hate Speech Movement veröffentlicht. 

Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMFSFJ, des BAFzA oder anderer Förderpartner*innen dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Herausgeber*innen und Autor*innen die Verantwortung.

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