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Medienlandschaft

Der deutsche Medienmarkt ist dezentral und vielfältig: Presse, Rundfunk und Online. Wer hier arbeiten will, muss wissen, wie Redaktionen aufgebaut sind, wen man ansprechen sollte und wie man ein Thema überzeugend anbietet. Unser Überblick für den erfolgreichen Einstieg. 

  • Wie der deutsche Medienmarkt aufgebaut ist
  • Wie Redaktionen arbeiten
  • Wie Du ein gutes Exposé schreibst
  • Lohnt es sich, ein Praktikum oder ein Volontariat zu machen?

Wie der deutsche Medienmarkt aufgebaut ist

Das deutsche Mediensystem ist, verglichen mit anderen Ländern, relativ stark dezentralisiert. Der Einfluss des Staats ist gering. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RoG) liegt Deutschland im Jahr 2025 auf Platz 11 von 180. In den vergangenen Jahren ist Deutschland hier einige Plätze zurückgefallen. Gründe sind vermehrte Übergriffe auf Journalist*innen und ein wirtschaftlich bedingter Rückgang der Pressevielfalt. Grundsätzlich lässt sich der deutsche Medienmarkt in die Bereiche Presse, Rundfunk und Internet unterteilen.

Die Presse: Hier dominieren in Deutschland regional verbreitete Abonnementzeitungen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen gemeinsamen sogenannten Mantel-Teil haben, der internationale und deutschlandweite politische wie wirtschaftliche Themen behandelt. Weiter hinten folgen – je nachdem, wo die Zeitung verkauft wird – verschiedene Lokalteile für die einzelnen Gebiete. Große Verlage mit Regionalzeitungen sind etwa die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH, die Funke Mediengruppe oder die Verlagsgruppe Ippen. Publiziert werden dort zum Beispiel: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Sächsische Zeitung oder die Frankfurter Rundschau.

Daneben gibt es auch einige überregionale Zeitungen und Zeitschriften, die täglich oder wöchentlich erscheinen. Sie haben ein stärkeres politisches Profil. Beispiele: taz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Stern, ZEIT, Welt, BILD.

Der Rundfunk: Der Rundfunk (Fernsehen und Radio) ist in Deutschland unterteilt in den öffentlich-rechtlichen und den privaten Rundfunk. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat vom Staat den Auftrag, die Bevölkerung mit Informationen, Bildung, Beratung und Unterhaltung zu versorgen. In der Ausgestaltung dieses Auftrags ist er allerdings frei. Finanziert werden „die Öffentlich-Rechtlichen“ über den Rundfunkbeitrag, den in Deutschland alle Bürger, Unternehmen, Institutionen und Einrichtungen des Gemeinwohls zahlen. Auch hier gibt es überregionale und regionale Sender. Überregionale Beispiele: ARD, ZDF, Deutschlandradio. Regionale Beispiele: NDR, MDR, SWR, BR, HR.

Der private Rundfunk ist frei von einem gesetzlichen Auftrag, erhält allerdings kein Geld aus dem Rundfunkbeitrag zur Finanzierung. Es gibt frei empfangbare Sender, die sich über Werbeeinnahmen finanzieren. Beispiele: Sat.1, ProSieben, RTL. Daneben gibt es Sender, die nur gegen Bezahlung geschaut werden können. Beispiel: Sky.

Das Internet: Größere publizistisch relevante Anbieter im Internet sind vor allem die entsprechenden Online-Auftritte der großen Presse- oder Rundfunkmedien. Beispiele: tagesschau.de, spiegel.de, rtl.de.


Wie Redaktionen arbeiten

Die Redaktionen von Medien sind in verschiedene Ressorts unterteilt. Jedes Ressort ist einem Thema gewidmet, etwa Politik, Wirtschaft, Sport oder Wissenschaft. Innerhalb der Ressorts gibt es feste Abläufe und Strukturen. Die Abläufe werden stark durch den Erscheinungsrhythmus geprägt. In Tageszeitungen gibt es morgendliche Konferenzen, in denen Themen besprochen werden, danach werden die Texte geschrieben und die Zeitung layoutet. Bis zum Redaktionsschluss zu einer bestimmten Uhrzeit muss alles fertig sein. Bei wöchentlich erscheinenden Publikationen gibt es meist keine tägliche Konferenz, die Themen werden schon länger vorausgeplant und es bleibt mehr Zeit zum Recherchieren und Schreiben. In Online-Redaktionen wiederum gibt es zwar auch regelmäßige Konferenzen (meist täglich), dafür gibt es keinen Redaktionsschluss. Oft müssen Texte „so schnell wie möglich“ fertig werden, sie werden nach Fertigstellung gleich publiziert.

Willst Du einem Medium einen Beitrag anbieten, ist es hilfreich, wenn das Angebot gleich an der richtigen Stelle ankommt. Wichtig ist dabei, dass Inhalt und Form des Beitrags zu diesem Medium passen. Hast Du das geprüft, musst Du die richtige Ansprechperson finden. Kolleg*innen, die auch für das Medium arbeiten, können vielleicht weiterhelfen. Ansonsten kannst Du auch im Impressum nachschauen, wer das Ressort leitet, in das der Beitrag passen würde. Die Ressorts haben meist eine allgemeine E-Mail-Adresse, die von der*dem Assistent*in verwaltet wird. Auch dorthin kannst Du Vorschläge in Form eines Exposés (siehe unten) schicken. Steht die E-Mail-Adresse nicht im Impressum, kannst Du sie bei der allgemeinen Telefonnummer erfragen. Manchmal lässt sich auch die direkten E-Mail-Adresse der zuständigen Redakteur*in ausfindig machen. Ist das der Fall, kannst Du die*den Redakteur*in suchen, die*der sich inhaltlich am ehesten mit dem Thema deines Beitrags auskennt und ein Exposé an sie*ihn schicken. 

Wichtige Stellen in einer Redaktion sind:

  • Chefredakteur*in: Sie oder er ist die inhaltliche Leiter*in, koordiniert die gesamte Redaktion und entwickelt sie weiter. Sie entscheidet grundsätzliche Fragen, zum Beispiel zu Budget, Personal, Layout oder inhaltlicher Ausrichtung. Am Tagesgeschäft ist sie eher selten beteiligt.
  • Ressortleiter*innen: Sie entscheiden über die Inhalte, die im jeweiligen Ressort erscheinen. Darüber hinaus koordinieren sie die Abläufe im Ressort.
  • Chef*in vom Dienst (CvD): Sie oder er managt den redaktionellen Alltag, leitet die Konferenzen, behält die Abgabe von Artikeln im Blick, plant den Inhalt und ist Ansprechpartner*in für das Tagesgeschäft.
  • Redakteur*innen: Sie recherchieren, schreiben und redigieren Texte. Meist haben sie einen inhaltlichen Schwerpunkt, in dem sie sich besonders gut auskennen.
  • Assistent*innen: Sie helfen bei der Organisation des Ressorts. Sie beantworten kleinere Anfragen und koordinieren Termine oder Reisen.
  • Buchhaltung: die Abteilung in einer Redaktion, die für die Finanzen zuständig ist. Die Mitarbeiter*innen kümmern sich zum Beispiel um die Bezahlung von Honoraren.

Weitere Begriffe aus dem journalistischen Berufsalltag – von A wie Advertorial bis Z wie Zeugnisverweigerungsrecht – findest Du auf der Seite Journalistikon, einem Online-Wörterbuch der Journalistik. 


Wie Du ein gutes Exposé schreibst

Ein Exposé ist ein kurzer Text, der das Thema und den Inhalt deines Beitrags vorstellt. Wer das Exposé gelesen hat, sollte danach grob wissen, um was es geht und wie der Beitrag aussehen könnte. Das Exposé selbst ist kurz. Ein paar Zeilen/Sätze genügen, mehr als zwei Absätze sollten es in der Regel nicht sein. Die Sprache sollte einfach sein. Es ist zwar gar nicht so leicht, die wichtigsten Inhalte auszumachen und in wenigen Sätzen darzustellen. Die Redakteur*innen, an die Du dein Exposé schickst, haben allerdings meistens wenig Zeit und bekommen oft viele verschiedene Themenvorschläge. Für sie ist wichtig, dass sie durch das Exposé in kurzer Zeit alle Informationen erhalten, die sie brauchen, um entscheiden zu können, ob der Beitrag zu ihnen passt.

Nenne das Thema in einem Satz. Erkläre dann, was der Anlass ist oder warum es besonders relevant ist und eine Bedeutung für die Gesellschaft bzw. die Zielgruppe des Mediums/Ressorts hat. Schreib noch ein, zwei Sätze dazu, wie Du das Thema umsetzen willst (Reportage, Feature, Interview o. Ä.). Schlag außerdem noch vor, wie lang der Beitrag deiner Meinung nach werden sollte (in Zeichen oder Sendeminuten). Wenn Du schon weisst, wer die Protagonist*innen sein könnten, kannst Du das ebenfalls dazuschreiben.

Ist es das erste Mal, dass Du der Redaktion/der Redakteur*in ein Thema vorschlägst, kannst Du noch ein paar ebenfalls kurze Sätze zu dir selbst schreiben: welche Ausbildung und Arbeitserfahrung Du hast und für welche Medien Du schon gearbeitet hast. Besitzt Du eine Website oder Arbeitsproben, dann verlinke diese.


Lohnt es sich, ein Praktikum oder ein Volontariat zu machen?

Man benötigt in Deutschland grundsätzlich keine Ausbildung, um als Journalist*in zu arbeiten. Erfahrungen zeigen aber, dass ein abgeschlossenes Volontariat, also ein berufsbegleitendes Traineeship in einem Medienhaus, oder der Besuch einer Journalist*innenschule viele Vorteile bringt. Dies gilt auch für für Journalist*innen, die bereits in ihrem Herkunftsland mehrere Jahre Arbeitserfahrung oder in verantwortlicher Position gearbeitet haben. 
Auch wenn Du handwerklich nichts dazulernen solltet, lohnt sich eine solche Ausbildung, weil Du in dieser Zeit die Chance hast, berufliche Netzwerke zu knüpfen, dich auszuprobieren und zu beweisen.

Ein Problem ist, dass solche Ausbildungen oftmals schlecht oder zum Teil gar nicht vergütet werden. Aber es gibt Stipendien, die man dafür beantragen kann. Die Auswahlverfahren für die Volontariate sind allerdings manchmal nicht so leicht. Hier empfehlen wir, mit ehemaligen Volontär*innen in Kontakt zu kommen und Tipps zu erfragen, wie man sich darauf vorbereiten kann und worauf es ankommt. Auch hier zahlt sich ein gutes Netzwerk aus.

Auch Praktika sind schlecht oder zum Teil gar nicht vergütet. Dennoch lohnt es sich, ein Praktikum zu machen, denn auf diese Weise lernt man eine Redaktion und ihre Abläufe von innen kennen – und vielleicht noch wichtiger: Die Redakteur*innen lernen dich besser kennen. Wichtig wäre vorab und währenddessen darüber zu sprechen, was Du dir von diesem Praktikum oder der Hospitanz versprichst. Beachte: Manche Medienhäuser vergeben Praktika nur an Pflichtpraktikant*innen, also nur an Journalist*innen, die im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung ein Praktikum machen. Eine bezahlte Alternative, um als Studierende Redaktionserfahrung zu erwerben, sind Jobs für Werkstudierende.

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