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Stellungnahme vom 04.06.2026

Aus für Cosmo: Das kann sich die ARD nicht leisten!


Die ARD spart genau dort, wo es die Demokratie am härtesten trifft. Am 3. Juni hat der WDR-Rundfunkrat beschlossen, COSMO ab dem 1. April 2027 nicht mehr weiterzuführen. Der einzige interkulturelle und mehrsprachige Radiosender der ARD soll zu einer Hip-Hop-Welle namens 1LIVE STREET schrumpfen. In Zeiten, in denen der Rechtsextremismus erstarkt, ist dieses Signal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) fatal. Wer COSMO wegrationalisiert, beschädigt die Glaubwürdigkeit des ÖRR und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Was verloren geht: Die DNA der Vielfalt
Ein Drittel der Menschen in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Für dieses Publikum war COSMO nie „nur“ Radio, sondern ein verlässlicher Anknüpfungspunkt für migrantische und queere Communitys. Wer COSMO auf „jungen Mainstream-Hip-Hop“ reduziert, löst die DNA des Senders auf und entzieht diesen Communitys ihre mediale Repräsentanz.

Was verloren geht: Mehrsprachigkeit als Schutz vor Desinformation
Die COSMO-Formate auf Russisch, Italienisch, Kurdisch oder Polnisch und in weiteren Sprachen sind ARD-weit die einzigen seriösen, öffentlich-rechtlichen Informationsangebote in der jeweiligen Erstsprache. Wer diese Lücke reißt, überlässt Menschen den Algorithmen von Social Media und staatlich gelenkten Auslandsmedien. Das begünstigt Desinformation und schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Künftig soll es beim WDR neben den WDRforyou-Angeboten (Arabisch/Farsi/Englisch/Deutsch) nur noch ein digitales Angebot auf Türkisch geben. Wie die Partneranstalten rbb und Radio Bremen künftig mit dem Wegfall des Programms verfahren, ist offen. So sieht keine strategische Zukunft des ÖRR aus.

Das Scheinargument: „Querschnittsauftrag“ ersetzt kein Programm
Senderverantwortliche argumentieren, Vielfalt sei ein „Querschnittsauftrag“, der ohnehin im Hauptprogramm stattfinde. Das ist eine Nebelkerze. Ein Querschnittsauftrag ersetzt kein fokussiertes, community-nahes Programm. Wie viel durch die Streichung überhaupt gespart wird, bleibt laut einem Gutachten der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) unklar. Statt COSMO zu opfern, braucht es eine echte Weiterentwicklung: innovative Programmkonzepte, mehr Marketing-Budget, eine kluge Verzahnung von Linear und Digital und den Mut zu neuen Kooperationen zwischen ARD-Anstalten.

Unsere Forderung: COSMO muss bleiben!
Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg haben am Dienstag einen Entwurf zur Änderung des RBB-Staatsvertrags beschlossen. Dieser sieht vor, ein Radioprogramm zu streichen. Wir fordern die Rundfunkrät*innen und die Politik auf: Stoppen Sie diesen Kahlschlag! Wiederholen Sie nicht den historischen Fehler von 2008, als der rbb mit dem Aus von Radiomultikulti eine tragende Säule der Vielfalt opferte. Sparzwänge rechtfertigen kein Demokratiedefizit. 

Die Debatte um COSMO ist eine Grundsatzentscheidung für die gesamte Medienwelt: Investieren wir in Strukturen, die mit einer diversen Gesellschaft Schritt halten, oder verlieren wir den Anschluss? Medien, die Vielfalt nur noch nebenbei behandeln, verabschieden sich von der Zukunft und von ihrer eigenen Relevanz.

Pressekontakt

presse@neuemedienmacher.de  
Tel.: 030 269 472 30

Die Neuen deutschen Medienmacher*innen sind ein ehrenamtlicher Verein, der sich für mehr Vielfalt im Journalismus stark macht. Als größte bundesweite NGO von Journalist*innen setzen wir uns für diskriminierungskritische Berichterstattung, divers besetzte Redaktionen und gegen Hass im Netz ein. Mehr Infos unter: neuemedienmacher.de

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