Die ARD spart genau dort, wo es die Demokratie am härtesten trifft. Am 3. Juni hat der WDR-Rundfunkrat beschlossen, COSMO ab
dem 1. April 2027 nicht mehr weiterzuführen. Der einzige interkulturelle und mehrsprachige
Radiosender der ARD soll zu einer Hip-Hop-Welle namens 1LIVE STREET schrumpfen.
In Zeiten, in denen der Rechtsextremismus erstarkt, ist dieses Signal des
öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) fatal. Wer COSMO wegrationalisiert,
beschädigt die Glaubwürdigkeit des ÖRR und gefährdet den gesellschaftlichen
Zusammenhalt.
Was verloren geht: Die DNA der Vielfalt
Ein Drittel der Menschen in Deutschland hat eine
Migrationsgeschichte. Für dieses Publikum war COSMO nie „nur“ Radio, sondern
ein verlässlicher Anknüpfungspunkt für migrantische und queere Communitys. Wer
COSMO auf „jungen Mainstream-Hip-Hop“ reduziert, löst die DNA des Senders auf
und entzieht diesen Communitys ihre mediale Repräsentanz.
Was verloren geht: Mehrsprachigkeit als Schutz vor Desinformation
Die COSMO-Formate auf Russisch, Italienisch, Kurdisch
oder Polnisch und in weiteren Sprachen sind ARD-weit die einzigen seriösen,
öffentlich-rechtlichen Informationsangebote in der jeweiligen Erstsprache. Wer
diese Lücke reißt, überlässt Menschen den Algorithmen von Social Media und
staatlich gelenkten Auslandsmedien. Das begünstigt Desinformation und schadet
dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Künftig soll es beim WDR neben den WDRforyou-Angeboten
(Arabisch/Farsi/Englisch/Deutsch) nur noch ein digitales Angebot auf Türkisch
geben. Wie die Partneranstalten rbb und Radio Bremen künftig mit dem Wegfall
des Programms verfahren, ist offen. So sieht keine strategische Zukunft des ÖRR
aus.
Das Scheinargument: „Querschnittsauftrag“ ersetzt kein Programm
Senderverantwortliche argumentieren, Vielfalt sei ein „Querschnittsauftrag“,
der ohnehin im Hauptprogramm stattfinde. Das ist eine Nebelkerze. Ein
Querschnittsauftrag ersetzt kein fokussiertes, community-nahes Programm. Wie
viel durch die Streichung überhaupt gespart wird, bleibt laut einem Gutachten
der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) unklar. Statt COSMO zu
opfern, braucht es eine echte Weiterentwicklung: innovative Programmkonzepte,
mehr Marketing-Budget, eine kluge Verzahnung von Linear und Digital und den Mut
zu neuen Kooperationen zwischen ARD-Anstalten.
Unsere Forderung: COSMO muss bleiben!
Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg haben am Dienstag einen Entwurf zur Änderung des RBB-Staatsvertrags beschlossen. Dieser sieht vor, ein Radioprogramm zu streichen. Wir fordern die Rundfunkrät*innen und die Politik auf: Stoppen Sie diesen Kahlschlag! Wiederholen Sie nicht den historischen Fehler von 2008, als der rbb mit dem Aus von Radiomultikulti eine tragende Säule der Vielfalt opferte. Sparzwänge rechtfertigen kein Demokratiedefizit.
Die Debatte um COSMO ist eine Grundsatzentscheidung für die gesamte Medienwelt: Investieren wir in Strukturen, die mit einer diversen Gesellschaft Schritt halten, oder verlieren wir den Anschluss? Medien, die Vielfalt nur noch nebenbei behandeln, verabschieden sich von der Zukunft und von ihrer eigenen Relevanz.