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Checklisten und Datenbanken für gute Bilder

Bilder prägen, wie wir die Welt sehen, und können Stereotype festigen, wenn sie unreflektiert eingesetzt werden. Unsere Checklisten und Hinweise helfen, Bildberichterstattung vielfältig, fair und diskriminierungsarm zu gestalten.

Bilder schaffen Wirklichkeit. Sie wirken unmittelbar, sind universell verständlich und zeigen dennoch immer nur einen Ausschnitt der Realität, der je nach Perspektive unterschiedlich konstruiert sein kann. Genau deshalb tragen alle, die Bilder produzieren oder auswählen, eine besondere Verantwortung.

In der medialen Praxis wird diese Verantwortung häufig nicht eingelöst: Menschen mit Behinderung erscheinen auf Fotos oft ausschließlich als Träger ihrer Behinderung. Berichte über Migration werden reflexartig mit Bildern von Frauen mit Kopftuch illustriert, sodass die tatsächliche Heterogenität migrantischer Gruppen unsichtbar bleibt. Und Fotos zu LSBTIQ*-Themen zeigen fast immer schwule Männerpaare, während lesbische, trans*, bi- oder intersexuelle Menschen visuell kaum vorkommen.

Klischees und Sehgewohnheiten lassen sich durchbrechen, und zwar mit bewussten Entscheidungen bei Aufnahme und Bildauswahl. Die folgenden Checklisten richten sich an Fotograf*innen und Bildredaktionen und bieten konkrete Leitfragen für eine diskriminierungsarme Bildberichterstattung.

  • Checkliste für Fotograf*innen
  • Checkliste für Bildredaktionen
  • Vielfältige Bilderdatenbanken

Checkliste für Fotograf*innen

  1. Werden Klischees reproduziert? Bei der Bebilderung von marginalisierten Gruppen gilt: eigene Vorannahmen kritisch prüfen. Menschen nicht auf Symbole reduzieren, Alltag statt Symbolik zeigen und die Sehgewohnheiten der Rezipient*innen auch einmal herausfordern.
     
  2. Werden die Protagonist*innen ernst genommen? Die Porträtierten sind Expert*innen ihrer eigenen Lebensrealität und sollten mitentscheiden, wie sie dargestellt werden. Wenn möglich: Bilder gemeinsam sichten und die Perspektive der Abgebildeten respektieren. Leitfrage: Würde ich so fotografiert werden wollen?
     
  3. Wie können marginalisierte Gruppen fair dargestellt werden? Porträtierte sollten in einer aktiven Rolle oder in Interaktion gezeigt werden, nicht als passives “Problemobjekt”. Nichts inszenieren, was nicht Teil der Realität ist, besonders in religiösen Räumen.
     
  4. Ist mit den abgebildeten Personen alles geklärt? Bildrechte vorab besprechen und das Einverständnis für die weitere Verwendung einholen. Bei sensiblen Motiven: Kontext klären, Bildidee transparent machen und informierte Zustimmung sicherstellen.
     
  5. Werden die Fotos in einem angemessenen Kontext verwendet? Falls die Bildredaktion ein Foto aus dem Zusammenhang reißt oder unangemessen einsetzt, kann und sollte darauf hingewiesen werden.
     
  6. Was gilt beim Verkauf an Bilddatenbanken? Bilder möglichst präzise verschlagworten, damit sie auffindbar sind und passend für die Darstellung gesellschaftlicher Vielfalt eingesetzt werden können.

Im Projekt „Beyond the Frame" entstanden über 180 Bilder, die Religion in Berlin jenseits von Stereotypen zeigen. Sie sind in der Datenbank Gesellschaftsbilder verfügbar, damit Redaktionen diskriminierungssensible Alternativen zu gängigen Religionsdarstellungen nutzen können.

Checkliste für Bildredaktionen

  1. Ist das Bild diskriminierend? Gängige Fehler vermeiden: Frauen nur von hinten mit Kopftuch, nachgestellte Behinderungen durch Menschen ohne Behinderung, LSBTIQ*-Personen ausschließlich auf Christopher Street Days. Leitfrage: Verstärkt das Bild Vorurteile oder Wissen?
     
  2.  Ist das Bild als Symbolbild geeignet? Bilder, die Klischees reproduzieren, stark stereotypisierend sind und im schlimmsten Fall Vorurteile bekräftigen, sollten vermieden werden. Zeigt das Bild Alltag und Situation oder nur Symbolik? Ist ersichtlich, wer abgebildet ist und wo sich die Szene abspielt?
     
  3. Wird gesellschaftliche Vielfalt repräsentiert? Allgemeine Themen wie Arbeit, Bildung, Familie oder Rente können auch mit Regenbogenfamilien, Menschen mit Migrationsgeschichte oder mit Behinderung bebildert werden. Unterschiedliche Generationen, Geschlechter und Identitäten sichtbar machen.
     
  4. Wird Mehrfachzugehörigkeit gezeigt? Personen gehören immer mehreren Gruppen an. Die Frau mit Kopftuch kann Mechatronikerin und alleinerziehende Mutter sein, die Person im Rollstuhl Anwalt und transgeschlechtlich. Menschen als Individuen zeigen, nicht als Stellvertreter*innen einer einzigen Gruppe.
     
  5. Aus welchem Kontext stammt das Bild? Bei Agenturmaterial sollte der inhaltliche Zusammenhang von Bildern und Schlagwörtern vor der Verwendung immer geprüft werden, um herauszufinden, aus welchem Kontext das betreffende Bild stammt und ob es bei einer geplanten weiteren Verwendung problematisch sein könnte.
     
  6. Wann sollten Diversitätsmerkmale gezeigt werden, wann nicht? Bilder sollten repräsentieren, anstatt zu markieren. Das heißt, gesellschaftliche Vielfalt sollte so dargestellt werden, wie sie auch tatsächlich ist. Wenn aber eine Person mit einem bestimmten Merkmal (z.B. Rollstuhl) für ein Kollektiv (z.B. alle Menschen mit Behinderung in Deutschland) steht, wird eher markiert, statt Vielfalt abzubilden.

Vielfältige Bilderdatenbanken

  1. Gesellschaftsbilder ist eine Fotodatenbank für Redaktionen und Medienschaffende, die Bilder fernab von Klischees suchen. Besonders: Models und Fotografinnen arbeiten eng zusammen – die Models entscheiden als Expertinnen selbst über Fragen der Repräsentation und Authentizität.

  2. Die Lean In Collectionvon Getty Images enthält nach eigener Auskunft über 10.000 Fotos mit selbstbewussten und erfolgreichen Frauen und Mädchen abseits der üblichen Klischees.

  3. Die gemeinnützige Initiative Women Photograph will Frauen und nicht-binäre Menschen sichtbarer machen. Die Datenbank umfasst die Werke von über 1.000 unabhängigen Fotograf*innen aus über 100 Ländern.

  4. Diversity Photos bietet authentische Stockfotos mit dem Anspruch, echte Vielfalt abzubilden. Die Plattform kombiniert Aufnahmen echter Fotograf*innen mit KI-gestützten Erweiterungen – ohne dabei die Urheberschaft zu verschleiern. Die Nutzung ist kostenpflichtig.

  5. The Gender Spectrum Collectiondes Vice Magazine bietet Stockfotos von trans* und nicht-binären Models jenseits von Klischees. Die Fotos stehen unter einer Creative Commons-Lizenz, d.h. sie sind für nicht-kommerzielle Zwecke nutzbar, sofern die Bilder nicht verändert werden.

  6. Age Without Limits ist eine britische Kampagne gegen Altersdiskriminierung und bietet eine kostenlose Bildbibliothek mit alterspositivem Bildmaterial, jenseits von Klischees über ältere Menschen. Die Fotos stehen zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.

  7. Amaro Foro e.V. ist ein Berliner Verein, der sich für die Rechte von Sinti*zze und Rom*nja einsetzt. Das Bildarchiv umfasst über 300 Fotos aus den Bereichen Bildungsarbeit, Roma-Selbstorganisation und Antiziganismusund steht ausschließlich für redaktionelle Zwecke zur Verfügung.

  8. Disabled And Here Collectionist eine von Menschen mit Behinderung geführte Initiative, die Stockbilder von BIPOC mit Behinderung bereitstellt.

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