KAUSA Medienpreis 2015 verliehen

11Dez2014

KAUSA Medienpreis 2015 verliehen

von Henri Zeiseler

In der Akademie der Künste wurde der KAUSA Medienpreis am 4. Dezember zum fünften Mal an junge Journalisten verliehen. Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung verliehene Preis würdigt die ausgewogene Berichterstattung über Menschen mit Migrationshintergrund und deren Bildungsweg. Er ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Verliehen wurde der Preis in den Kategorien Video, Audio, Multimedia und Text. Aus 100 Einreichungen nominierte die neunköpfige Jury 16 Beiträge.

Zu Beginn der Preisverleihung scherzte Moderatorin Pinar Atalay, Anchorwomen der ARD-Tagesthemen, sie wolle heute eine Spielverderberin sein und einige Verbote aufstellen. So hoffte sie, „möglichst selten die Wörter Migration, Flüchtlinge oder Integration“ zu hören, da diese negativ konnotiert seien. Diese Begriffe sollten daher eigentlich mit einem Piepton zensiert werden. Ein Großteil der nachfolgenden Redner schien sichtlich damit bemüht, die erwähnten Begriffe zu vermeiden.

Für das beste Video wurde Kathrina Edinger geehrt. Der Beitrag „Ich kann nicht zurück – Seit vier Jahren auf der Flucht“ (EinsPlus) beschreibt die Probleme des Pakistaners Amerr, der als Flüchtling seine Aufenthaltsgestattung alle drei Monate erneuern muss. Er bekam einen Ausbildungsplatz als Maler und hofft daher, dass sein im Oktober 2012 gestellter Asylantrag angenommen wird, damit er seine Lehre beenden kann. Den zweiten Platz belegte Kolja Robras „Javads Reise“(NDR), Dritte wurde Julie Kurz mit „Motivierte Migranten ohne Ausbildungschance“ (NDR).

Den ersten Preis unter den Audiobeiträgen erhielt Isabelle Hartmann für „Isareck: ein Asylheim und seine Schutzengel“(BR). Sie erzählt darin von Reinhard K. der zusammen mit seiner Frau eine Spendengemeinschaft gründete, um das örtliche Asylheim zu unterstützen. Er organisiert Fahrräder, hilft bei der Jobsuche und bei Gerichtsterminen und erteilt den Flüchtlingen Deutsch-Unterricht. Als er auf der Bühne nach seiner Motivation gefragt wurde, antwortete er „man muss einen gewissen Vogel haben, sonst tut man‘s nicht“. Zweiter wurden Manfred Götzke und Grit Thümmel mit „In der Bildungsrepublik Deutschland nur geduldet? Über die Bildungschancen junger Flüchtlinge“(Pisa Plus). Den dritten Preis erhielt Anorte Linsmayer, die 2012 schon Zweite in derselben Kategorie wurde, für „Rentner Rolf und der Imam“(WDR 5).

In der Kategorie Multimedia entschied sich die Jury, nur den Beitrag des 8. Jahrgangs der Electronic Media School auszuzeichnen. Der Multimediabeitrag sei der einzige gewesen, der die Jury überzeugte, so ein Jurymitglied. „Die Unsichtbaren“ behandelt die Probleme illegalisierter Einwanderer aus deren Perspektive. In einem Panoramabild lassen sich verschiedene Objekte anklicken, die dann zu Videobeiträgen weiterleiten, viele Fotos, die die Geflüchteten selbst gemacht haben sind enthalten. Im Projekt wird aus dem Blickwinkel der Geflüchteten von den Problemen berichtet, mit denen Menschen ohne Pass konfrontiert werden, zum Beispiel die fehlende Krankenversicherung und all die Ängste davor erwischt und abgeschoben zu werden.

Das Thema des ersten Preises in der Kategorie Text wurde in gleich zwei eingereichten Beiträgen behandelt. Im Artikel„Bildung vom Büdchen“(Zeit) erzählt Marie-Charlotte Maas von dem Kölner Kioskbesitzer Levent Kavur. Er bereichert mit Bildungsrätseln, Hausaufgabenhilfe und Ratschlägen das soziale Leben in Humboldt-Gremberg, einem sozialen Brennpunkt der Stadt. Ausgezeichnet mit dem zweiten Platz wurde „Der Wille allein macht’s nicht“(taz) von Christina Schmitt, Dritter wurde Mohamed Amjahid, der in „die Akte Amjahid“(Tagesspiegel) seine eigenen Probleme mit der Ausländerbehörde schildert. Einige Gäste waren überrascht von der Entscheidung, Amjahids Text nicht mit dem ersten Preis auszuzeichnen.

Für die Zukunft hoffte Moderatorin Pinar Atalay, dass es den Preis in zehn Jahren nicht mehr geben müsse. Das Ziel des KAUSA Medienpreises, eine möglichst objektive und ausgewogene Berichtserstattung über Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien, sei dann erreicht, wenn es nicht mehr nötig ist, diese zu fördern.

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