Die Keupstraße als Medienereignis: Rückblicke – Einblicke – Ausblicke

01Mai2014

Die Keupstraße als Medienereignis: Rückblicke – Einblicke – Ausblicke

Werkstattgespräch und Diskussion in Köln
Freitag, 23. Mai 2014, 14-16 Uhr
NS-Dokumentationszentrum, Appelhofplatz 23-25

Wenige Tage vor dem 10. Jahrestages des Nagelbombenattentat in der Keupstraße laden wir ein mit Ayça Tolun (WDR), Berichterstatterin beim Münchner NSU-Prozess, Richard Heister, Agence France-Presse und Axel Spilcker, heute FOCUS-Magazin, 2004 Polizeireporter beim Kölner Stadtanzeiger, ins Gespräch zu kommen, Einblicke in die Berichterstattung von den Terrortaten bis zum Prozess zu nehmen und die Möglichkeiten und Fallstricke in der Medienberichterstattung zu diskutieren.

Köln, 9. Juni 2004: In der Mülheimer Keupstraße explodiert eine Nagelbombe. „Keinerlei Hinweise auf Rechtsextremismus“ übernehmen nur wenige Tage nach dem Anschlag Deutschlands Leitmedien die Deutungen von Polizei, Verfassungsschutz und Politik.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gibt bereits am 10. Juni 2004 der Presse bekannt: „Die Erkenntnisse, die unsere Sicherheitsbehörden bisher gewonnen haben, deuten nicht auf einen terroristischen Hintergrund, sondern auf ein kriminelles Milieu.“ Der „allgemeindeliktische Hintergrund“ (FAZ 12.06.2004) wird in der veröffentlichen Meinung schnell zur Gewissheit. Dass die Terrortat einen neonazistischen Hintergrund haben könnte, wird als Mutmaßung von betroffenen Anwohnern und Geschäftsleuten dargestellt. Die voreilige und falsche Festlegung auf das Anschlagmotiv avanciert trotzdem für mehr als sieben Jahre zur medialen Wirklichkeit.

Eine Korrektur findet erst nach der Selbstentlarvung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ am 4. November 2011 statt. Solange währt eine Wirklichkeit, die aus den Opfern potentielle Täter macht. Durch die Brille der Medien und Blogs verfolgen wir heute den „Jahrhundertprozess“ in München, der zehn Morde, zwei Bombenanschläge mit Schwerverletzten und 15 Raubüberfälle des NSU aufklären soll.

Welche Fragen werden heute von den Medien gestellt? Kommen die Opfer ein weiteres Mal mit ihren Einschätzungen kaum zu Wort kommen? Wie werden die Aktivitäten der Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden beleuchtet? Wie kann eine adäquate Berichterstattung aussehen?

Eine Kooperationsveranstaltung der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln, des AWO Bezirksverbands Mittelrhein und der Neuen deutschen Medienmacher (Einladung downloaden).

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