Chilikuss 34.

17Mrz2014

Chilikuss 34.

Liebe Kollegas,
ein vorweihnachtlicher Chilikuss drängt sich förmlich auf. Die Frage aller Fragen steht an: Welcher findige Redakteur einer x-beliebigen deutschsprachigen Redaktion kommt als Erster auf den Gedanken: Hey, die Muslime in Deutschland…Was machen die eigentlich, wenn wir Weihnachten feiern? Da könnte man doch einen Text draus stricken… GE-NI-AAL! Aber leider kamen da schon etliche Redaktionen vorher drauf. Alle Jahre wieder.
Nach einer kurzen Recherche in meinem Freundeskreis ergeben sich, lieber Redakteur, folgende Zahlen: Knapp ein Drittel freut sich auf Weihnachten. In echt. Endlich können Sie mal die Sau raus lassen. Selbstgemachte Knödel/Rotkohl/Gänsekeulen-Menüs unter wild geschmückten Plastikbäumen mit ganz vielen Geschenken. Das andere knappe Drittel ( etwa 29, 7%) mag Weihnachten als Zeit für alles, was man sonst nicht so schafft unter der Woche und das letzte Drittel (zu dem ich zähle, gern können wir ein Kollegengespräch führen, klar) drückt sich am liebsten davor und dann wird es eben ein Potpourri. Einen kleinen Plastikbaum aufstellen und Zeit für Küchenschränke putzen, 1000’er Puzzles beenden und Weihnachtsmärkte erkunden. Obwohl ich insgeheim Weihnachten verabscheue.
Als junge Studentin jobbte ich in den Semesterferien immer bei einer großen Kaufhauskette. Zu Weihnachten war ich eingeteilt für die „Sonderfläche“. Um mich herum also meterhohe Regale mit glitzerndem Baumbehang und über mir ein Lautsprecher. Den ganzen Dezember über tippte ich Zahlen in die Kasse und hörte abwechselnd Frank Sinatra, Wham! und Band Aid. An meinem letzten Arbeitstag dann sechs Stunden lang „Feliz Navidad“. Immer wieder. Seitdem leide ich an einer Weihnachtsneurose.
Doch der liebe Nachwuchs schert sich heutzutage einen feuchten Lebkuchen um die Befindlichkeiten der Mutter. Ich drücke mich so gut es geht, lieber Redakteur, der Du wahrscheinlich grad grübelst, ob meine muslimische Erziehung dafür verantwortlich ist. Nein, ich hatte wirklich nur eine Überdosis Weihnachten. Aber muss ja.
Übrigens: Wenn die Kinder besonders nett sind am Weihnachtsmorgen, dann singen Sie mir schon am Bett „Feliz Navidad“. Ich revanchiere mich dann mit der Androhung eines besonders leckeren Weihnachtsmenüs: Vegane Würstchen und Kartoffelsalat mit ganz viel Grünzeug. Wirkt.

Schöne Feiertage und öptüm,
Ebru

chilischote Chili:
Wie viele Zimtsterne haben die Autoren vom Tagesspiegel wohl gefuttert, als sie diesen Artikel schrieben? Etliche, nehme ich an. Es geht um Hunde in Berlin, allerdings waren die Autoren in nahezu jedem der 120.000 Haushalte in der Stadt, um zu wissen, dass “… kaum eine Schnauze bei Muslimen Zuhause“ ist. Drei Chili-Hot Dog bitte.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/was-sagen-bibel-thora-und-koran-zu-hund-und-katz-haustier-in-gottes-namen/9199602.html

kussmund Kuss:
„Racial Profiling“ ist eine der schlimmsten Zivilisationskrankheiten unter uniformierten Beamten. Mehr als ein Dutzend Mal ist Emran Feroz in solch eine „Personenkontrolle“ geraten.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/racial-profiling-warum-trifft-es-immer-mich-12706772.html

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