NdM Bundeskonferenz 2018

10 Jahre Kanaks in da house

Unter der Überschrift „Represent what? 10 Jahre Neue deutsche Medienmacher e.V.“ veranstalteten die Neuen deutschen Medienmacher*innen am 3. November ihre fünfte Bundeskonferenz und feierten ihr zehnjähriges Bestehen.

Zehn Jahre Neue deutsche Medienmacher*innen: Es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Wie weit sind wir gekommen? Was haben wir noch immer nicht erreicht? Was wollen wir noch schaffen?

Kanak in da House – bessere Berichterstattung durch Vielfalt?

Zuerst gab es einen Input von Dr. Kefa Hamidi von der Universität Leipzig zum aktuellen Forschungsstand. Seine für manche sicherlich überraschende Erkenntnis: Diversität in den Medienhäusern führe nicht automatisch zu einer besseren Berichterstattung über die Themen Migration und Integration. Auf den Panels entspann sich anschließend eine intensive Diskussion: So berichtete zum Beispiel Gökalp Babayagit von der Süddeutschen Zeitung auf dem ersten Panel, dass sein Medienhaus keine spezielle Förderung für Menschen mit diverser Familiengeschichte anbiete. Mit Hilfe von vielfältig besetzten Redaktionen könnten alte Hierarchien allerdings aufgebrochen werden, so Gökalp Babayigit. Journalist*innen mit Migrationshintergrund brächten verschiedene Lebenswelten in die Redaktionen und könnten so Routinen in der Berichterstattung aufbrechen, resümierte der SZ-Journalist.

Iva Krtalic, Beauftragte für Integration und interkulturelle Vielfalt des WDR und Sandra Niemann, Redakteurin in der RBB Programmdirektion, nutzten das Panel, um den Zuschauer*innen zu erklären, welche Förderprogramme ihre Medienhäuser anwenden. Als Beispiele dienten die „Grenzenlos Talentwerkstatt“ des WDR und die RBB Sommerakademie für Quereinsteiger. Sandra Niemann vom RBB gab zu: „Man hat gemerkt, dass sich viel getan hat, der RBB ist vielfältiger, aber noch nicht vielfältig genug.“

Warum sind wir noch nicht weiter?

Auf dem zweiten Panel stellte NdM-Geschäftsführerin Konstantina Vassilou-Enz den Diskutant*innen die Frage: „Warum sind wir noch nicht weiter?“ Die ZEIT-Journalistin Vanessa Vu und der Soziologe und Politikwissenschaftler Aladin El-Mafaalani tauschten sich darüber aus, warum nach wie vor nicht mehr Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien beschäftigt sind, und inwieweit die Repräsentation in den Medienhäusern die vielfältige Gesellschaft widerspiegelt.

Aladin El-Mafaalani betonte, dass bei aller Kritik auch die Frage gestellt werden müsse, ob die Fortschritte genug anerkannt würden.  Es gebe natürlich einige Hürden, die Journalist*innen mit Migrationshintergrund nehmen müssten, aber die Lage sei dennoch besser als vor 30 Jahren. In der sehr persönlichen Diskussion wurde auch über das Thema Selbstzweifel gesprochen und über die Erkenntnis, dass sich Journalist*innen mit Migrationshintergrund oft sehr selbstkritisch begegnen und ihre Fähigkeiten hinterfragen würden.

Erkan Arikan, Leiter der türkischen Redaktion von WDR Cosmo, erzählte seine persönliche Geschichte und seinen Frust darüber, dass er zwar der erste Nachrichtensprecher mit türkischem Familienhintergrund im deutschen Fernsehen gewesen sei, dass seine Karriere aber danach  – im Gegensatz zu anderen Kolleg*innen – praktisch stagniert hätte.

Nach Meinung Aladin El-Mafaalani sei es aber auch von Vorteil, unterschätzt zu werden – denn dann seien die Erwartungen von Vorgesetzten oft niedriger.

 

Im Rahmen der Abendveranstaltung im Südblock in Kreuzberg begrüßte die Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz die Gäste und zog eine Bilanz der Veranstaltung.

Am Abend fand schließlich die feierliche Verleihung eines Medienpreises statt, den die NdM zu ihrem zehnjährigen Jubiläum ausgelobt haben: Die „Goldene Kartoffel“ für unterirdische Berichterstattung über Themen rund um Migration und Integration. Der Preisträger der „Goldenen Kartoffel“ erschien auch tatsächlich, um seine eigene Sicht auf den Preis zu schildern: BILD-Chefredakteur Julian Reichelt.

In seiner Rede erklärte der BILD-Chef allerdings, dass er den Preis nicht annehme: Dessen Benennung als „Goldene Kartoffel“ empfinde er als rassistisch. Auch wenn sicher die meisten Gäste im Raum seine Meinung nicht teilten, wurde ihm Respekt dafür gezollt, dass er persönlich erschienen war. Die Goldene Kartoffel bleibt also bei den Neuen deutschen Medienmacher*innen und wird nächstes Jahr erneut vergeben. Zum Abschluss des offiziellen Programms trat der Kölner Comedian Fatih Çevikkollu auf und leitete das feucht-fröhliche Ausklingen des Abends ein.

 

Text: Jackie Macumba, Fotos: Thomas Lobenwein


Laudatio zur Verleihung der “Goldenen Kartoffel”

Q&A über Kartoffeln und die NdM