NdM-Stellungnahme: Asyltouristen, Transitzentren, Sekundärmigration?

19Jul2018

NdM-Stellungnahme: Asyltouristen, Transitzentren, Sekundärmigration?

Wortneuschöpfungen in der Asyldebatte müssen kritisch hinterfragt werden

 

Lob muss auch mal sein: Viele Medienhäuser haben in der Flüchtlingsdebatte der letzten Wochen die verrohende Sprache kritisch hinterfragt und nicht einfach übernommen. Auch wir als Journalist*innen, die sich für eine sachliche Berichterstattung im Einwanderungsland Deutschland einsetzen, haben uns in letzter Zeit sehr gewundert über Wortneuschöpfungen und bewusst abstrahierende Verwaltungssprache von Politiker*innen: Wie bitte hat man sich „Sekundärmigration“ vorzustellen? Wo bitte kommen angeblich „Asyltouristen“ her, die via „Transitzentren“ weitergeschickt werden sollen, als wären sie Flugreisende, die nur umsteigen müssten?

Schutzsuchenden Personen zu unterstellen, sie seien auf der Reise und betrieben Tourismus, wenn sie tatsächlich vor Krieg und Gewalt fliehen, ist eine zynische, realitätsnegierende Aussage. Werden solche neuen Wortkonstrukte umkommentiert übernommen, können sie den dahinter anklingenden Sachverhalt auf gravierende Weise verzerren. Wir halten es für richtig und wichtig, dass viele Medien die fragwürdigen Wortneuschöpfungen in der Berichterstattung hinterfragen. Wenn sie stattdessen von „sogenannten Transitzentren“ reden (z. B. Deutschlandfunk) oder kritisch nachhaken, wenn von „Asyltourismus“ die Rede ist (Tagesthemen).

Auf der Suche nach alternativen Begriffen für die Berichterstattung in der Einwanderungsgesellschaft können Sie sich gern in unserem Glossar inspirieren lassen. Es ist hier online und für Medienschaffende kostenfrei als gedruckte Broschüre hier erhältlich.

 

Neue deutsche Medienmacher e.V.
Vorstand
Berlin, den 20. Juli 2018

Categories

Comments