ZDF-Chefredakteur Frey: “Fernsehen muss bunter werden”

23Nov2017

ZDF-Chefredakteur Frey: “Fernsehen muss bunter werden”

Jubiläum des Interkulturellen Mediendialogs in Rhein-Main

 

Frankfurt a.M., 22. November 2017. Für die Aufnahme von mehr „Alltags- und Lebensthemen“ von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Medien hat sich der Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, ausgesprochen. „Das Fernsehen muss bunter werden“, sagte er am Dienstagabend (21. November) in Frankfurt/Main bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Interkulturellen Mediendialogs in Rhein-Main. Eine vielfältiger werdende Gesellschaft müsse sich auch in den Medien widerspiegeln, so Frey. Bislang fehlten in Fernsehen, Radio und Zeitungen genügend „Identifikationsflächen für Migrantinnen und Migranten“, zu denen in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen gehörten. Zudem sollten mehr Journalistinnen und Journalisten mit interkultureller Kompetenz in die Redaktionen aufgenommen werden, auch wenn dies angesichts zunehmender Sparzwänge in Sendern und Medienhäusern schwierig sei, erklärte Frey.Der Interkulturelle Mediendialog ist ein Forum für Journalistinnen und Journalisten mit unterschiedlichsten religiösen und kulturellen Hintergründen. Inzwischen gehören über 100 Interessierte dem Kreis an. Träger des Forums im Rhein-Main-Gebiet sind die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, das Bistum Limburg mit dem Haus am Dom in Frankfurt sowie die „Neuen Deutschen Medienmacher“.  

Der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, würdigte bei der Jubiläumsfeier die Arbeit des Interkulturellen Mediendialogs als „wichtigen und hochaktuellen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Migrationsfragen“. Wintermeyer, der auch für Medien- sowie Flüchtlingsfragen in der Landesregierung zuständig ist, sprach sich in einer Zeit von zunehmenden „Fake-News“ und einer „Meinungs-Inzest“ in den Filterblasen der sozialen Netzwerke für einen professionellen Journalismus aus. Er könne „Informationen aufbereiten  und Nutzer orientierten“. Deshalb seien eine „breite Presselandschaft“ und ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk wichtig.

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Fotos: Volker Rahn

Joachim Legatis aus dem Bundesvorstand der Deutschen Journalisten Union (DJU) bezeichnete den Interkulturellen Mediendialog als eine der wenigen Möglichkeiten für Pressevertreterinnen und –vertreter „nicht übereinander, sondern miteinander zu reden“. Der „Mix aus Kontaktbörse und Stammtisch“ ermögliche es auch, Themen jenseits von Schlagwörtern aufzunehmen. Für die Journalistin Canan Topçu von den „Neuen Deutschen Medienmachern“, die das Dialogforum mittragen, ist es wichtig, dass Migrantinnen und Migranten einen besonderen „Geruch und Geschmack“ in den Journalismus einbringen. Vom Trägerkreis hob der Direktor des Hauses am Dom, Joachim Valentin, die verbindende Rolle des Mediendialogs hervor, bei dem verschiedenste kulturelle Gruppen den Umgang miteinander lernen könnten. Volker Rahn, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, bezeichnete die Initiative als wichtige Plattform für den journalistischen  Austausch und Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen.

 

Hintergrund Mediendialog

Seit genau zehn Jahren treffen sich im Rhein-Main-Gebiet Journalistinnen und Journalisten mit unterschiedlichsten religiösen und kulturellen Hintergründen regelmäßig zum Austausch. 2007 als „Runder Tisch deutscher und türkischer Journalistinnen und Journalisten“ gegründet, hat sich der Gesprächskreis inzwischen zum „Interkulturellen Mediendialog“ weiterentwickelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eint dabei das Bewusstsein, dass alle Medien mit ihren Macherinnen und Machern beim Thema Integration in Deutschland eine große Rolle spielen. Dabei sind Rundfunk-, Print- und Online-Journalismus nicht nur Informationsorgane und Meinungsbildner, sondern auch Vermittler zwischen den Kulturen.

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