NdM nehmen Stellung: Darf man mit Muslimen reden?

23Nov2016

NdM nehmen Stellung: Darf man mit Muslimen reden?

Stellungnahme zu de Maizières Journalisten-Workshops vom 24. November 2016

Das Bundesinnenministerium hat im Zuge der letzten Islamkonferenz im Oktober angekündigt, im kommenden Jahr einen Workshop über „die mediale Wahrnehmung muslimischer Mitbürger“ anzubieten, zu dem die Chefredakteure und Herausgeber deutscher Medien eingeladen werden sollen. In rechten Blogs findet seitdem eine Hetzkampagne gegen dieses Vorhaben statt: Dort ist von „Appeasement-Seminaren“, einer “Einbestellung“ von Chefredakteuren und einer geplanten “Gleichschaltung“ der Medien die Rede. Wir kritisieren diese Hetze aufs Schärfste.

Mit Verwunderung haben wir zur Kenntnis genommen, dass auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) davon abrät, an diesem geplanten Workshop teilzunehmen. Der DJV-Vorsitzende Frank Überall räumt zwar ein, dass es bei der Berichterstattung über Muslime in Deutschland noch „Luft nach oben“ gebe, erteilt aber gleichzeitig einem „staatlich organisierten Nachhilfeunterricht“ eine deutliche Absage.

Wir als Neue deutsche Medienmacher teilen die Ansicht, dass staatliche Stellen keinen Einfluss auf die Medienberichterstattung nehmen dürfen. Allerdings haben Journalisten ja auch sonst kein Problem damit, an Hintergrundgesprächen, Konferenzen oder Gesprächsrunden mit Politikern, Regierungsmitgliedern oder Vertretern von Religionsgemeinschaften teilzunehmen. Zu Recht fürchten sie nicht, schon allein dadurch in ihrer journalistischen Unabhängigkeit beeinträchtigt zu werden. Und auch beim Bundesinnenministerium geht es bislang nur um ein reines Gesprächsangebot. Dieses zu verweigern hinterlässt den Eindruck, der DJV argumentiere nach dem Motto rechter Blogs: Redet nicht mit Muslimen!

Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière und die islamischen Verbände betrachten wir die zunehmende Gewalt gegen muslimische Bürgerinnen und Bürger und auf geflüchtete Menschen sowie die wachsende Zahl der Übergriffe auf Moscheen und Flüchtlingsunterkünfte mit großer Sorge. Und wir bedauern, dass die gesellschaftliche Debatte über muslimisches Leben in Deutschland von vielen Vorurteilen sowie übersteigerten Ängsten geprägt ist. Aus unserer Sicht kommen Medien nicht immer ihrer Verantwortung nach, zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen.

Wir können in dieser Frage gern vermitteln. Als Neue Deutsche Medienmacher bieten wir an, ganz ohne Ministerium, von Kolleg*in zu Kolleg*in einen solchen Workshop zu gestalten. Wenn das Problem nur das Innenministerium als einladende Institution ist, springen wir gern als Veranstalter ein.

Der Vorstand der Neuen deutschen Medienmacher

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