KAUSA-Medienpreis 2012 sorgt für medialen Kulturaustausch

06Dez2012

KAUSA-Medienpreis 2012 sorgt für medialen Kulturaustausch

kausa

Bei der diesjährigen Preisverleihung wurden neun junge Journalisten für hervorragende Print-, Hörfunk- und Fernsehbeiträge über Bildungswege von Migranten ausgezeichnet. Unter den PreisträgerInnen waren zwei Migrantinnen.

Am 5. Dezember wurde im Haus der Bundespressekonferenz der KAUSA Medienpreis 2012 verliehen. Der aus den Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanzierte Preis wird das dritte Jahr in Folge ausgeschrieben und richtet sich an junge JournalistInnen. Ausgezeichnet werden Beiträge über Bildungswege von Menschen mit Migrationshintergrund.

Die GewinnerInnen beleuchteten “unverstellt und originell die kulturelle Vielfalt in Deutschland”, sagte Bildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan in ihrer Eröffnungsrede. Ihre Beiträge veranschaulichten “auf beeindruckende Weise”, dass Migrantinnen mit ihren Leistungen und Erfahrungen “ein großer Gewinn für uns alle seien”, so Schavan.

Dieses Jahr nominierte die sechsköpfige Jury von 80 Einsendungen insgesamt 15 Beiträge – je fünf in den Kategorien Print/Online, Hörfunk und Fernsehen. Den ersten Preis in der Kategorie Print/Online erhielt Jens Tönnesmann. In seinem Beitrag “Innovation statt Imbissbude” für die Wirtschaftswoche berichtete Tönnesmann über migrantische Start-up-Gründer. In ihrem mit dem ersten Preis ausgezeichneten Hörfunkbeitrag berichtete Heike Mohr über eine junge Lehrerin mit türkischen Wurzeln. Sie ist nach dem Besuch eines Gymnasiums und einem Lehramtsstudium an ihre alte Hauptschule in Bonn zurückgekehrt, die sie seinerzeit als eine der Jahrgangsbesten verließ.

Mit Arta Ramadani bekam auch eine Journalistin mit Migrationshintergrund einen ersten Preis – Ramadani stammt aus dem kosovarischen Prishtina. Ihr TV-Beitrag für die Sendung “Nano” bei 3Sat beleuchtete die Problematik des Bildungsaufstiegs von Migranten. Ramadani berichtete über den Fall eines türkischen Ehepaars, dessen Sohn nach der Grundschule trotz guter Noten lediglich eine Empfehlung für die Hauptschule bekam. Nach einer Intervention der Eltern bei der Schulbehördedurfte ihr Sohn Gökhan doch noch auf die Realschule.

Unter den GewinnerInnen des Medienpreises war eine weitere Migrantin: Hadija Haruna von YOU FM gewann den zweiten Preis in der Kategorie Rundfunk für ihren Beitrag zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Haruna interviewte drei junge Menschen, die sowohl in der deutschen als auch in der türkischen Kultur zuhause sind.

Von 15 für den Medienpreis Nominierten hatten vier einen Migrationshintergrund, zwei bekamen einen Preis. Doch es standen wesentlich mehr Migranten auf der Bühne. Die ProtagonistInnen der Gewinnerbeiträge, wie der als Spätaussiedler aus Kasachstan eingewanderte Start-up-Gründer Roman Engel oder Cemile Gökce, die Mutter des kleinen Gökhan, waren zur Preisverleihung angereist und begleiteten die JournalistInnen auf die Bühne.

Wie viele der insgesamt 80 Einsendungen von migrantischen JournalistInnen kamen, konnte Özgür Nalcacioglu, wissenschaftlicher Mitarbeiter des KAUSA-Projekts, nicht nennen. Mit dem Preis wolle man in erster Linie JournalistInnen motivieren, über Bildungswege von Migranten zu schreiben, so Kornelia Haugg, Jury-Mitglied und Abteilungsleiterin im Bildungsministerium. Außerdem sei der KAUSA-Medienpreis laut Haugg ein erfolgreiches Element der Öffentlichkeitsstrategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Es käme es auch gar nicht darauf an, dass die Nominierten einen Migrationshintergrund hätten. Viel spannender sei es doch, wenn Einheimische über „über Migranten redeten“ — “dann haben wir ja auch einen Austausch zwischen den Kulturen”, schlussfolgerte Haugg.

Autor: Pavel Lokshin

Foto: Michael Küppers-Adebisi, copyright AFROTAK TV cyberNomads

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