„Ich bin ein Antragsteller wie jeder andere“

17Dez2014

„Ich bin ein Antragsteller wie jeder andere“

Mohamed Amjahid ist Journalist. Eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen ist für ihn nicht selbstverständlich. In der Ausländerbehörde haben sie sich über ihn lustig gemacht. Er sollte Deutschland verlassen. Der Tagesspiegel-Volontär hat darüber den Artikel „Die Akte Amjahid“ geschrieben, und damit den 3. Platz beim Kausa Medienpreis belegt.

Von Luciana Ferrando

Mohamed Amjahid, „Die Akte Amjahid“ ist eine sehr persönliche Geschichte. Wie war es für Sie, Autor und Protagonist gleichzeitig zu sein?
Mohamed Amjahid: Wir haben in der Redaktion lange überlegt und uns für die Ich-Form entschieden, weil meine eigene Erfahrung mit der Ausländerbehörde sehr intensiv war. Man muss viel von sich preisgeben und hat keinen distanzierten Blick, deswegen habe ich meine Kollegen gebeten, noch mal sehr kritisch und genau auf den Text zu schauen. In dem Fall haben drei verschiedene Kollegen in der Redaktion und die Chefredakteure darauf geachtet.

Sie haben mehrere Stipendien und Preise bekommen. Jetzt haben Sie den 3. Preis in der Kategorie Text des Kausa Medienpreises erhalten. Ist diese Anerkennung etwas Besonderes für Sie?
M.A: Ja, tatsächlich. Integration und Ausbildung sind nicht meine Schwerpunkte aber für beide Texte, die ich zu diesen Themen geschrieben habe, wurde ich nominiert. 2013 und 2014, und dieses Jahr habe ich den Preis gewonnen. Beide Geschichten waren persönlich. Deswegen ist der Preis für mich sehr schön und sehr motivierend.

Wie hat es Ihnen geholfen, im Mentoring-Programm der Neuen deutschen Medienmacher zu sein?
M.A: Es ist sehr hilfreich, wenn man von einem Mentor Feedback bekommt, der einem freundschaftlich und kritisch begleiten kann, so war es bei dem Mentoring-Programm. Ich bin meinem Mentor Bernd Ulrich von der „Zeit“ sehr dankbar, ein großer Teil des Erfolgs liegt an ihm. Das Programm ist schon zu Ende, aber wir haben weiterhin regelmäßig Kontakt.

Was könnte dieser Preis beitragen für Menschen, die ähnliche Probleme mit dem Ausländeramt haben wie Sie?
M.A: Nachdem „Die Akte Amjahid“ im Tagesspiegel erschienen ist, habe ich unglaublich viele Reaktionen erhalten. Von jungen Menschen, die in derselben Situation wie ich sind, von Menschen mit Problemen bei der Ausländerbehörde, oder von anderen, die über ihre schlechte Erfahrungen mit Ämtern berichteten. Es ist wichtig zu sehen, dass es nicht nur um einzelne Fälle geht, sondern um ein strukturelles Problem in Deutschland. Mit dem Text und jetzt mit den Preis kann man Betroffene erreichen, aber auch diejenigen, die auf der anderen Seite stehen. Das sind, zum Beispiel die Mitarbeiter der Ausländerbehörde. Es war mir wichtig, dass auch ihre Sicht im Artikel vorkommt. Ich habe gehofft, dass sie kritischer an ihre Arbeit gehen, nachdem sie meinen Text gelesen haben.

Hat sich Ihre Hoffnung erfüllt?
M.A: In Berlin sind nach meinem Text einige interne Richtlinien der Ausländerbehörde etwas angepasst worden. Der Chef der Behörde hat vorbildlich reagiert. Er hat die Mitarbeiter zusammengebracht und sie nochmal darauf hingewiesen, was geht und was nicht geht.

Nehmen Sie den Preis mit zu Ihrem nächsten Termin in der Ausländerbehörde?
M.A: Ja natürlich, nehme ich den Preis mit und lege das direkt auf den Tisch! (lacht) Ich bin ein Antragsteller wie jeder andere, ich will keine Extrawurst haben. Mein eigener Fall ist nur ein Beispiel, es geht um die ganze Struktur. Ich weiß nicht, ob ich jetzt bekannt bin in der Ausländerbehörde Berlin als derjenige, der alles aufschreibt, aber ich hoffe, dass ich keine Sonderbehandlung bekomme, egal in welche Richtung.

Was wäre für Sie das Schönste, das jetzt passieren könnte?
M.A: Persönlich hoffe ich, dass meine Aufenthaltsgenehmigung erteilt wird. Ich bin sehr optimistisch, dass ich mein Volontariat zu Ende machen darf. Auf der politischen Ebene würde ich mir wünschen, dass wir in Deutschland eine Mindestmaß an Willkommenskultur entwickeln.

Foto Mohamed Amjahid

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