Datenreport 2016 zu Migration und Integration: Bildung ist entscheidend

03Mai2016

Datenreport 2016 zu Migration und Integration: Bildung ist entscheidend

cover252x168datenreportdr2016buchonlinevorab160421final_0Bildung ist der entscheidende Faktor für einen so genannten „Integrationserfolg“: Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Datenreport 2016, der alle zwei Jahre vom Statistischen Bundesamt (Destatis), der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) herausgegeben wird. In ihm stellen Statistiker*innen und Sozialforscher*innen Zahlen und Befunde zu wichtigen Lebensbereichen zusammen, dieses Mal mit dem Schwerpunkt Migration und Integration.

Das Ergebnis, dass Bildung entscheidend für Integrationserfolge ist, stellt eigentlich eine Binsenweisheit dar, die durch den Report allerdings mit Zahlen belegt wird. Denn in ihm wird auch gezeigt, was die Folgen des für Menschen mit Migrationsgeschichte oft zu intransparentem und infolgedessen nur schwer zugänglichem deutschen Bildungssystems sind: Menschen aus Einwandererfamilien sind statistisch gesehen weniger gebildet, woraus geringere Einkommen, eine höhere Arbeitslosigkeit und ein größeres Armutsrisiko resultieren. „Die Hürden des deutschen Bildungssystems sind zu hoch, es gelingt uns nicht, die Menschen abzuholen“, stellt Jutta Allmendinger, Präsidentin des WZB Berlin bei der Vorstellung des Reports fest. Zudem bekämen Kinder aus Einwandererfamilien bei gleicher Begabung seltener eine Empfehlung für weiterführende Schulen – das sei Diskriminierung, so Allmendinger.

Höhere Bildung = bessere Chancen

Sibylle von Oppeln-Bronikowski von Destatis fasst zusammen: „Der Einfluss der Bildung zieht sich durch alle Lebensphasen, selbst beim Armutsrisiko im Alter schneiden die Migrantengruppen mit eher unterdurchschnittlicher Bildung vergleichsweise deutlich schlechter ab.“ Entsprechend lohnten sich Investitionen in Bildung und Ausbildung, so die Aufforderung an die Politik. „Höhere Bildung bedeutet bessere Chancen am Arbeitsmarkt, bessere Einkommen und geringeres Armutsrisiko!“, betont von Oppeln-Bronikowski.

Auch die Situation von geflohenen Menschen nimmt der Report stellenweise in den Blick: Für sie gelte es, bessere Qualifizierungsangebote zu schaffen bzw. ausländische Abschlüsse leichter anzuerkennen, um Erwerbslosigkeit zu verhindern. Hier sollten aus den Erfahrungen mit Migrant*innen, die schon lange in Deutschland leben, Lehren gezogen werden, so Allmendinger: Für die aktuelle Situation Geflüchteter müsse gelernt werden, „was wir anders und richtiger machen können“.

Politische Bildung für den Bodensatz

Der Report untersuchte auch, inwieweit sich Menschen mit Migrationsgeschichte benachteiligt fühlen: Das ging acht Prozent der Befragten so, unter den Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte waren es 18 Prozent. Und tatsächlich erlebten besonders auf dem Wohnungsmarkt Migrant*innen Diskriminierung, so Allmendinger.

Hinter der Diskriminierung, die durch Bewegungen wie Pegida oder der rechtspopulistischen AfD noch angefeuert würden, steckten „rassistische, zum Teil völkisch anmutende Anschauungen in der Gesellschaft“, erklärte Thomas Krüger, der Präsident der Bundesanstalt für politische Bildung. „Was da in der Gesellschaft an Bodensatz da ist, ist Aufgabe politischer Bildung“, so Krüger. Diese dürfe sich allerdings nicht in Publikationen erschöpfen, sondern müsse neue Wege finden, gerade bildungsfernere Menschen zu erreichen, etwa durch Angebote im Fernsehen oder den sozialen Medien.

Insgesamt, unterstrich Krüger, erfordere Integration Anstrengungen von beiden Seiten: „Integration ist keine Einbahnstraße.“ Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sei die Aushandlung eines neuen gesellschaftlichen „Wirs“. Dafür seien politische Partner wie die Neuen deutschen Organisationen nötig, um ein umfassenderes und vielschichtigeres „Wir“ zu schaffen.

Presseschau:

Hintergrund:

Categories

Comments