Daten und Fakten der OECD zur Integration

15Mrz2016

Daten und Fakten der OECD zur Integration

Die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) hat in den vergangenen Jahren mehrere Studien und Analysen zu unterschiedlichen Aspekten von Migration und Integration veröffentlicht, darunter jüngst den Leitfaden „Erfolgreiche Integration. Flüchtlinge und sonstige Schutzbedürftige“. Er gibt Empfehlungen dafür, wie die Neuzuwander*innen am besten unterstützt werden können.

Wohl kaum ein anderes Thema beherrscht die politische und gesellschaftliche Debatte derzeit so wie die Flüchtlingssituation. Nach Meinung vieler Expert*innen werden viele der Geflohenen dauerhaft in Deutschland bleiben, nicht zuletzt wegen der oft katastrophalen Lage in ihren Herkunftsländern. Umso wichtiger ist eine nachhaltige Integrationspolitik, die Flüchtlinge Teilhabemöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungswesen und in der Gesellschaft generell schafft. Der OECD-Leitfaden betont dazu, das dürfe „jedoch nicht auf Kosten der Unterstützung anderer benachteiligter Gruppen – einschließlich bereits ansässiger Migranten und deren Kinder geschehen“. Um diesen Balanceakt erfolgreich zu bewältigen, müsse die Bereitstellung von Leistungen wie Unterbringung, psychologische Betreuung, Sprachunterricht und Kompetenzerhebung ebenso wie der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ausgebaut werden.

Insgesamt formuliert der Leitfaden zehn Empfehlungen:

Zusammenfassung-Erfolgreiche-Integration---Flüchtlinge

In einem Kommentar für den Mediendienst Integration empfiehlt der Ökonom und Mitautor Thomas Liebig, den Integrationsprozess für Flüchtlinge möglichst umgehend zu beginnen, da dies für den längerfristigen Integrationserfolg entscheidend sei. Dafür sollten Asylentscheidungen schnell gefällt werden. Sei das nicht möglich, sollten für Gruppen mit hoher Bleibeperspektive bereits im Asylverfahren Zugang zu Integrationsangeboten und unter Umständen auch zum Arbeitsmarkt geschaffen werden, so Liebig. „Die schulischen und beruflichen Qualifikationen der Antragsteller sollten dafür bereits im Asylverfahren ermittelt werden“, schreibt Liebig weiter. Werde über den Asylantrag schließlich positiv entschieden, müssten die Integrationsmaßnahmen dann auf die Kompetenzen der Flüchtlinge zugeschnitten sein und darauf aufbauen, so die letzte Empfehlung des Leitenden Ökonomen in der OECD-Abteilung für Internationale Migration.

Den OECD-Leitfaden „Erfolgreiche Integration. Flüchtlinge und sonstige Schutzbedürftige“ gibt es hier als PDF zum Download. Eine Print-Version lässt sich hier kostenpflichtig bestellen.

Kinder von Einwander*innen oft benachteiligt

Integration von ZuwanderernEine weitere interessante OECD-Publikation ist die Studie „Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2015“. Sie bietet einen umfassenden Überblick über die Situation von Migrant*innen und ihren Nachkommen in allen Ländern der OECD und der Europäischen Union. Grundlage der Studie waren Daten aus den Jahren 2013 und früher – mit einer Besonderheit: Die Analyse unterscheidet nicht nach Menschen mit und ohne Migrationshintergrund im Sinne des Statistischen Bundesamtes, sondern nach „im Ausland geboren“ (Einwander*innen) und „im Inland geboren“ (Einheimische).

Insgesamt untersuchte die Studie, wie sich die Situation für Menschen aus Einwandererfamilien in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnen, Einkommen und Arbeitsmarkt darstellt. Zentrales Ergebnis: Obwohl die Integrationspolitik Deutschlands Fortschritte mache, seien gerade die Nachkommen von Einwander*innen in vielen Bereichen noch benachteiligt. So seien gerade Jugendliche öfter vom Arbeitsmarkt und auch vom Wirtschaftsaufschwung ausgeschlossen. Auch im Bildungssystem gebe es noch eklatante Unterschiede zwischen Einheimischen und den Nachkommen von Einwander*innen: So verfüge nur jeder sechste der zweiten Gruppe über einen Hochschulabschluss oder Meisterbrief. Und selbst, wenn sie es schafften, einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen, hätten sie größere Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

Interessant ist hier auch der internationale Vergleich. So stellt die Studie fest, dass in Ländern, in denen viele Einwander*innen lebten, die Integration tendenziell besser funktioniere. Weitere Ergebnisse finden sich in der ausführlichen Zusammenfassung des Mediendienstes Integration.

Die Studie „Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2015“ gibt es auf der Website der OECD, wo sie als PDF bzw. epub heruntergeladen bzw. in der Print-Fassung kostenpflichtig bestellt werden kann.

Nachholbedarf bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen

IMO-2014-Cover-deEine weitere OECD-Publikation ist der „Internationale Migrationsausblick 2014“. Seit 1997 veröffentlicht die OECD jährlich einen Bericht, der Daten zur Migration in den Mitgliedsländern auswertet, um die Entwicklung der Migrationspolitik und die Situation von Migrant*innen auf dem Arbeitsmarkt zu untersuchen. Hier sieht der Bericht zwar klare Fortschritte, bemängelt allerdings den Umgang mit hochqualifizierten Migrant*innen. So gebe es insbesondere bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen Nachholbedarf.

Auch bei der Förderung von Jugendlichen aus Einwandererfamilien im Bildungsbereich (Schule und Ausbildung) gebe es noch eindeutige Lücken: So gibt es laut OECD-Bericht zu viele Jugendliche aus Familien mit Migrationsgeschichte, die Deutsch schlecht lesen und schreiben könnten.

 

Der Bericht „Internationaler Migrationsausblick 2014“ kann auf der Website der OECD online gelesen oder kostenpflichtig als Print-Publikation bestellt werden.

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