Chilikuss 32.

05Mrz2013

Chilikuss 32.

Liebe Kollegas,

Ismail Yozgat ist der Vater von Halit Yozgat, der 21-jährig in Kassel von der NSU ermordet wurde. Letztes Jahr hielt Ismail Yozgat auf der Gedenkfeier der Bundesregierung eine Rede für seinen Sohn Halit. Ich saß im gleichen Raum wie der Vater, etwa 200 Meter Luftlinie entfernt und feierte ihn innerlich (genauso wie ich meine Eltern feierte, die jahrelang darauf beharrten, mit mir Türkisch zu sprechen, so dass ich die Rede verstand. Aber das nur am Rande). Wichtig anzumerken, dass die Rede von Ismail Yozgat so nicht vorgesehen war. Er sollte gar nicht sprechen. Wie gut, dass er so beharrlich auf sein Recht pochte. Es wurde die emotionalste Rede des ganzen Vormittags. Daran mußte ich denken, als ich die Pressefotos der Begegnung der Familien, die seit dem November 2011 endlich auch eine Erklärung für ihr Leid haben, mit Bundespräsi Gauck sah. Am Montag vergangener Woche hatte Gauck ja die Familien zu einem umstrittenen Empfang ins Schloß Bellevue geladen. Auch hier sah ich Ismail Yozgat, mit einem Kinderfoto seines Sohnes um den Hals und der Forderung, dass die Strasse in seinem Wohnort endlich  nach seinem getöteten Sohn umbenannt werden solle. Leider sah ich keine tröstende Hand auf der Schulter dieses Vaters. Gaucks Hände hingen einfach herab. Väter wie Ismail Yozgat tragen die Liebe zu ihrem Kind einfach in die Welt hinaus und scheren sich zum Glück wenig um Vorgaben, Richtlinien und das Protokoll.

Schöne Woche,

Ebru

Chili:

Immer noch N*-Debatte und immer noch Leute und Leutchen, die “Zensur” und “Sprachpolizei” rufen.

Hier ein Programmhinweis: “Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!” am Sonntag, den 24.2. um 11 Uhr im WDR-Fernsehen “WestArt-Talk” mit Mekonnen Meshgena. Chilischoten für die Sarrazin-Reminiszenz der Überschrift, unter dem diese Talksendung steht. Ein Gast ist der Vater Mekonnen Meshgena. Er war es ja bekanntlich leid, seiner Tochter deutsche Kinderbuchklassiker mit rasisstischem Wörtern vorzulesen und schrieb daraufhin den Verlag an. Der Rest ist Geschichte.

Kuss:

Noch ein Vater. Aber keiner, mit dem man sich rühmen kann. SPD-Politiker Sigmar Gabriel und das Verhältnis zu seinem Vater, einem starrköpfigen Nazi. Absolut küssenswerte Gedanken von Mely Kiyak, Kolumnistin der “Frankfurter Rundschau” dazu.

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