Bericht vom Netzwerktreffen NdM-Rhein-Main am 27. März 2014

08Mai2014

Bericht vom Netzwerktreffen NdM-Rhein-Main am 27. März 2014

Zur Auftaktveranstaltung des Netzwerks Rhein-Main des Neuen deutschen Medienmacher haben sich knapp 20 Journalist*innen in Frankfurt getroffen. Zunächst haben die Vereinsvorsitzende Sheila Mysorekar aus Köln und die Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz aus Berlin die Ziele der NdM umrissen: Der Verein bemüht sich darum, mehr Vielfalt in den Medien zu etablieren. Er dient bei entsprechenden Themen auch als Ansprechpartner für Politik und Medien.

Anschließend haben die Journalist*innen Carmen Colinas (SWR), Hadija Haruna (hr) und Mehmet Ata Impulsreferate zu den Begriffen „Asylantenflut“, „Wirtschaftsflüchtlinge“ und „Armutseinwanderung“ gehalten. Dabei wurde deutlich, dass Anfang der 90er Jahre sich Berichte in zahlreichen Leitmedien sehr deutlich und polemisch gegen Migrant*innen richteten. „Das Boot ist voll“, „die Asylanten kommen“ und ähnliche Schlagzeilen waren keine Ausnahme. Die Migrant*innen erschienen als Bedrohung. Es war vielfach von „Zigeunern“ die Rede, beispielsweise im „Spiegel“. Problematische Berichte gab es später auch zu „Wirtschaftsflüchtlingen“. Häufig wurde den betroffenen Menschen unterstellt, keine Berechtigung für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu haben. „Wirtschaftsflüchtlinge“ galten nicht als echte Flüchtlinge. Zudem fällt auf, dass die Menschen selten als Subjekte wahrgenommen wurden. Wenn sie in Medien doch mal zitiert wurden, dann oft mit distanzierenden Formulierungen wie „behauptete XY“. Im neueren Diskurs um „Armutseinwanderer“ werden Begriffe wie „Zigeuner“ vermieden. Der Begriff „Armutszuwanderer“ scheint ein soziales Problem zu beschreiben und benennt zunächst keine einheitliche Gruppe. Jedoch ist den Leser*innen klar, dass immer Sinti und Roma gemeint sind. Daher ist die Debatte verlogen.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, welche Wörter wir als Journalist*innen benutzen sollten und ob es genügen würde, Begriffe auszutauschen. Es wurde schnell deutlich, dass das Interesse an weiteren Diskussionen groß ist.

Das Netzwerk hat sich vorgenommen, etwa alle drei Monate ein Treffen zu organisieren, auf dem über Themen diskutiert werden kann, die uns beschäftigen. Darüber hinaus sind Stammtische zum Netzwerken angedacht.
Dr. Mehmet Ata

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